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Im Simplease-Blog schreiben wir über Design, Web-Entwicklung und unser Leben als Selbstständige.

Das größte Problem eines selbstständigen Designers

von Stefan Rössler am 4. August 2011

4 Kommentare zuletzt von Stefan

Als selbstständiger Designer hat man ein Problem: Man wird leicht zum Experten für eh alles. Man kümmert sich um die Website des Kunden, für den man schon das Logo entworfen hat und für den man Flyer und Anzeigen gestaltet. Für einen anderen Kunden schreibt man Werbetexte und macht Produktfotos für dessen Webshop.

Ein Problem dieser Vielfalt ist, dass man nicht bei jeder Arbeit richtig gut sein kann. Jemand, der gute Texte schreibt, muss nicht unbedingt ein Auge für Gestaltung haben und weiß unter Umständen nicht, wie man professionelle Produktfotos macht. Jemand, der trotzdem all diese Dinge macht, droht ein Alleskönner zu werden, der leider nichts wirklich gut kann.

Alles ist möglich

Gerade als junger Designer hat man die Einstellung, dass alles möglich sei und einem keine Grenzen gesetzt seien. Das Schöne daran ist, dass diese Einstellung richtig ist. Wer sein Leben selbst in die Hand nimmt, kann vieles schaffen. Voraussetzung dafür ist, dass man weiß, was man eigentlich will. Nur weil alles möglich ist, heißt das nicht, dass alles sinnvoll sein muss.

Ich denke darüber wie über gutes Design selbst: Man muss herausfinden, was wirklich wichtig ist. Wenn ich z.B. einen Bildschirm für eine Web-Anwendung gestalte, muss ich wissen, welche Elemente wichtig sind und welche nicht. Dann kann ich die Wichtigen hervorheben, und die Unwichtigen in den Hintergrund rücken.

Clarity affords focus. Thomas Leonard

Unser höchstes Ziel bei der Gestaltung eines User Interfaces ist Klarheit. Wenn eine Software verständlich ist und die Leute wissen, was sie damit machen können, dann ist dieses Ziel erreicht. Es kommt natürlich noch auf andere Faktoren an, aber Klarheit macht alles Weitere erst möglich. Dieselbe Art von Klarheit wollen wir auch unseren zukünftigen Kunden bieten.

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Was sind unsere Kartoffeln?

Als Selbstständige müssen wir einen Weg finden, um genug Geld zu verdienen. Wir müssen herausfinden, was wir verkaufen können, um die Miete zu bezahlen. Kurz: Wir müssen wissen, was unsere Kartoffeln sind. Anstatt einen ganzen Gemüseladen zu eröffnen und zu betreiben, sollten wir uns erst auf Kartoffeln konzentrieren. Es gibt drei Gründe dafür:

  1. Wenn wir uns nur auf  Kartoffeln konzentrieren, können wir sie in erstklassiger Qualität anbieten
  2. Wenn jemand Kartoffeln braucht, kommt er zu uns, weil sie bei uns am besten sind
  3. Erstklassige Kartoffeln haben einen Preis, den man gerne bezahlt

Nach gut 2 Jahren haben wir unsere Kartoffeln gefunden: Wir machen Web-Tools für Unternehmen. Wir machen natürlich noch andere Arbeiten, wie Usability-Tests von Software, Recherche für Design-Projekte oder Webshops und andere Webanwendungen. Unser Fokus liegt aber darauf, Werkzeuge zu entwickeln, mit denen Unternehmen ihre Arbeit verbessern und ihre Produktivität steigern können.

Im Moment arbeiten wir gerade an einer web-basierten Software, die den Mitarbeitern des Fitstore24 – Bikepalast Kohl dabei hilft, Service-Termine für Kunden zu verwalten. Wir werden in den nächsten Wochen mehr von diesem Tool erzählen, damit unsere zukünftigen Kunden besser sehen können, was wir für sie und ihre Unternehmen tun können.

Mein Vorschlag

Für junge Designer ist es wichtig sich auszuprobieren und zu erkennen, welche Arbeiten man gerne macht und welche nicht. Was man gerne macht, macht man gut. Wir haben auf diese Art vieles gelernt und erkannt, worin wir wirklich gut sind. Eine Arbeit, die wir die nächsten 20 oder 30 Jahre machen wollen. Eine Tätigkeit, die sinnvoll ist und die unseren Kunden wirklich etwas nützt.

Als selbstständiger Designer sollte man die eigenen Kartoffeln finden, um diese auch in bester Qualität anbieten zu können. Dann kann man proaktiv nach Projekten suchen und muss nicht auf zufällige Kundenanfragen hoffen, um genug Geld zu verdienen.

Remote Usability Tests - einfach gemacht.
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Bisher 5 Kommentare

  1. Jürgen11. September 2011

    Ausgezeichnet auf den Punkt gebracht!

  2. Markus14. September 2011

    vielen lieben Dank Jürgen!

  3. Pingback 13 Dinge, die wir gerne gewusst hätten, bevor wir uns selbst­ständig gemacht haben | Simplease Blog12. November 2011

    […] Blog-Artikel zum Thema: Das größte Problem eines selbstständigen Designers […]

  4. Peter11. Januar 2013

    Alles richtig, schön und gut.

    Nur, und da bleibe ich mal bei Deinen Kartoffeln:

    Eine Mahlzeit besteht nicht nur aus Kartoffeln. Auf den Teller gehören - üblicherweise - ein wenig Gemüse, etwas „Festes“ (Fisch, Fleisch, etc…), und einen Nachtisch mag man vielleicht auch noch.

    Also gehe ich in ein richtig gutes Restaurant und bestelle ein Mittagsgericht.

    „Gern“ sagt der Ober, „aber wir bieten nur Kartoffeln, weil wir die richtig gut können. Vielleicht können Sie sich von einer anderen Gaststätte die anderen Zutaten besorgen“.

    Was mache ich? Ich stehe auf und gehe dorthin, wo ich „alles am Stück“ bekomme. Nun gut, vielleicht sind die Kartoffeln nicht Spitzenklasse…

    Worauf will ich hinaus?

    Richtig ist, dass man sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren sollte. Da aber gerade im Web oder auf Ebene von Tools viele „Gewerke“ an einem Projekt gefragt sind, müßten mehrere „Handwerker“ an einem Projekt arbeiten. Jeder macht dann nur das, was er richtig gut kann.

    Die Kunden möchten aber alles aus einer Hand haben, verständlich.

    Also braucht es eine Agentur mit ca. 5. Spezialisten: HTML/CSS, PHP/JavaScript, Grafikdesign/Fotografie, Text/Marketing und einen Accessibility/Usability-Experten.

    Das wäre ideal - für den Kunden aber vermutlich angesichts der ausgelieferten Qualität und der Anzahl Beteiligter auch teuerer. Zumindest denkt das der Kunde und die Qualtät von Webseiten kann er eh nicht beurteilen.

    Damit ist aber auch klar, dass es für Freelancer oder „Alleinunterhalter“ nur drei Möglichkeiten gibt:

    1. Alles Tätigkeiten abdecken, die für ein Webprojekt gebraucht werden.

    2. Temporäre Zusammenarbeit mehrer Einzelkämpfer mit entsprechenden Kernkompetenzen.

    3. Einen anderen Job suchen

    Zu 1. Das ist übliche Praxis. Stichwort: Fullservice-Agentur, in der jeder Mitarbeiter alles, aber nix richtig kann.

    zu 2: Sehr Problematisch. Offenbar will niemand zugeben, dass er eben nicht alles kann. Das wäre ja wie ein Offenbarungseid. Ausserden müßte man sich den Gewinn teilen.

    Siehe auch: http://www.barrierefreie-webloesungen.de/service/index.php

  5. Stefan25. April 2013

    Hallo Peter, tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber du hast es auf den Punkt gebracht.

    Ein Wort noch zu den Kartoffeln: Das Bild ist nach deiner Antwort nicht mehr wirklich passend. Sagen wir statt Kartoffeln oder irgendeiner anderen Zutat, lieber Hausmannskost oder irgendeine andere Küche.

    Man sollte wissen, welche Art von Restaurant man sein will und wie man seine Gäste glücklich machen möchte. Beim Versuch ein Gourmet-Restaurant für asiatische, afrikanische und südamerikanische Küche zu sein, wird man sich die Finger verbrennen. Und es jedem Kunden recht zu machen, ist unmöglich.

    Vor allem dann, wenn man nur Schnitzel panieren und Erdäpfel kochen kann ;)

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

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