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Im Simplease-Blog schreiben wir über Design, Web-Entwicklung und unser Leben als Selbstständige.

Weniger arbeiten, mehr verdienen

von Stefan Rössler am 11. Januar 2014

3 Kommentare zuletzt von Cornelia

Die Kreativ-Branche hat ein Problem. Genaugenommen hat sie sogar zwei:

  • Die „Kreativen“ arbeiten zu viel und
  • sie verdienen zu wenig.

Es spielt keine Rolle ob selbstständig oder in einer großen Agentur – von allen Seiten mangelt es an Wertschätzung für unsere Arbeit. Das Gute daran: völlig zu recht.

Warum ist das gut? Weil es heißt, das wir selbst diesen Umstand ändern können. Die Lösung ist theoretisch einfach, praktisch aber schwer umzusetzen. Wir müssen einfach aufhören, uns unter Wert zu verkaufen.

Das Beste an der Kreativ-Branche ist, dass niemand gezwungen wurde, mitzumachen. Wir sind alle freiwillig dabei. Viele von uns verfolgen auf diese Weise ihren Traum. Zumindest diejenigen, die ich kenne, arbeiten als Grafik-Designer, Animatoren, Filmemacher, Texter und Programmierer, weil sie genau das wollen. Oder soll ich sagen, weil sie genau das einmal wollten?

Willkommen in der echten Welt

Die echte Welt kann hart sein und sie hat so gut wie nichts mit dem zu tun, was uns in Schulen und Universitäten als echte Welt verkauft wird. Wir kommen also in diese Welt und kennen nichts als Klischees und Stereotypen. Gleichzeitig waren wir vielleicht gut in der Schule und kommen auf den aberwitzigen Gedanken, das würde irgendetwas darüber aussagen, wie gut wir in Wirklichkeit sind.

Und da sitzen wir nun, gefangen in unserem „Traumjob“ und in Gedanken ständig grübelnd, wie wir nur die nächste Miete bezahlen sollen. Gut, vielleicht übertreibe ich, aber viele dürften bereits selbst erlebt haben, dass die Arbeit als Kreativer kein Zuckerschlecken ist.

Der Fehler, den viele (fast alle) von uns begehen, ist zu glauben, wir könnten fehlende Wertschätzung durch größeren Fleiß wieder ausgleichen. Doch das können wir nicht. Die Zeiten in denen einen Ehrgeiz und Fleiß ans Ziel gebracht haben, sind längst Geschichte. Was wir heute brauchen, ist Kreativität. Und wie sollen wir kreativ sein, wenn wir 60, 8o oder mehr Stunden pro Woche arbeiten?

Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, wie viele von uns sich täglich abmühen, um am Ende des Monats ein Gehalt zu bekommen, das man sich seinen Freunden und Verwandten gegenüber kaum laut zu sagen traut. Wir sind chronisch unterbezahlt und das Schlimmste daran, wir gewöhnen uns langsam an diese Tatsache. Anders kann ich es mir nicht erklären, warum so viele Agenturen und Selbstständige, für einen Hungerlohn, zehn oder mehr Stunden täglich arbeiten. Wir müssten doch selbst erkennen, dass es das nicht sein kann.

Zeit erwachsen zu werden

Wenn wir einen Moment lang ehrlich zu uns selbst sind, stellen wir fest, dass unsere Arbeit unter diesem „Lebensstil“ leidet. Wir sind grantig, unzufrieden und ständig am Jammern. Klar kompensieren wir diese Negativität mit oberflächlichen Freuden wie Facebook, Online-Shopping und natürlich unserer Arbeit, aber ändern können wir auf diese Weise nichts.

Langsam aber sicher werden wir stumpf. Wir plagen uns ab und nichts mag uns so recht gelingen. Nicht nur, dass wir selbst nicht mehr mit unserer Arbeit zufrieden sind, sogar unsere Auftraggeber werden immer mehr zu lästigen Begleitern, über die man sich mockiert oder einfach nur lustig macht.

Wir sind erwachsene Babies, die sich in die Windel geschissen haben und an statt sich den Arsch auszuwischen, im eigenen Mist sitzen bleiben und lieber über andere schimpfen, die Welt als verkorkst bezeichnen oder einfach nur vor unseren Bildschirmen lungern, um uns vom immer schlimmer werdenden Gestank abzulenken.

Doch genug mit den Fäkal-Metaphern, kommen wir langsam zur Lösung unseres Problems. Was können wir tun, um 1. weniger zu arbeiten und 2. endlich genug Geld zu verdienen? Es ist so einfach, dass es mir fast peinlich ist. Wir müssen einfach mehr Geld verlangen. Eine größere Wertschätzung wird uns nicht einfach geschenkt, wir müssen sie einfordern.

Die 3. Alternative

Und wieder gilt, egal ob selbstständig oder angestellt, wer für wenig Geld arbeiten geht, ist selbst schuld. Niemand zwingt uns, für 5.000 Euro eine Website zu machen, die vom Aufwand her locker 50.000 kosten könnte. Nur wir selbst, mit unseren übersteigerten Egos und der Vorstellung, wir müssten immer 100% leisten.

Ein Beispiel: Vor einigen Monaten haben wir einem Auftraggeber ein Konzept für eine Spiele-App präsentiert. Die Zuhörer waren begeistert von unseren Ideen. Und wir, wir waren absolut überzeugt von dem, was wir dort vorgestellt haben.

Dann wollten wir wissen, wie viel Budget denn nun genau zur Umsetzung zur Verfügung steht und haben dabei erwähnt, dass wir den Umfang unserer Arbeiten natürlich davon abhängig machen. Oder wie wir gerne sagen: Theoretisch ist alles möglich, aber wenn es keine Ressourcen dafür gibt, dann machen wir es nicht. Es hat sich damals gezeigt, dass nur die Hälfte des notwendigen Budgets zur Verfügung stand. Wir hatten also zwei Möglichkeiten: Entweder wir lehnen den Auftrag ab oder wir arbeiten (zu einem großen Teil) gratis. Doch waren das nicht unsere einzigen Möglichkeiten. Wie immer, gab es eine 3. Alternative.

Zwischen schwarz und weiss gibt es jede Menge grau, so auch hier. Anstatt alles oder nichts zu spielen, passten wir unseren Arbeitsaufwand einfach an das vorhandene Budget an. Und nein, das ist kein Kompromiss. Es ist sogar das Gegenteil. Ein Kompromiss wäre es, den Auftrag trotz geringem Budgets in vollem Ausmass durchzuführen. Den Aufwand an die finanziellen Mittel anzupassen, ist eine bewusste Entscheidung.

Im Leben trifft man entweder bewusste Entscheidungen oder jemand anders entscheidet für einen. Und wenn wir zu Beginn eines Projekts bereits ahnen, dass der erwartete Aufwand das Budget übersteigen wird, müssen wir sofort auf die Bremse treten. Machen wir das nicht, passiert, was in unserer Branche die letzten Jahre über passiert ist.

Dutzende Agenturen pitchen um ein Projekt und wenn gerade nicht der Billigste gewinnt, so bekommt doch zumindest jeder zu hören, im Vergleich zu anderen Anbietern recht teuer zu sein. Wir lassen es zu, dass man uns gegeneinander ausspielt. Warum? Weil wir es in Wahrheit selbst sind, die unsere Arbeit nicht genug wertschätzen.

Versucht euch nützlich zu machen

Ich habe es oft gesagt und sage es noch einmal: Zu Beginn einer Karriere ist es völlig legitim, unbezalte Überstunden zu machen und sich in Projekte mehr reinzuhängen, als das erfahrene Kollegen machen. Macht man das nicht, muss man schon außerordentlich talentiert sein, um sich behaupten zu können.

Es ist also kein Problem, sich in einer anfänglichen Probe-Phase unter Wert zu verkaufen – ein Problem wird es nur, wenn man es übersieht, wieder damit aufzuhören. Gewohnheiten sind ein Hund und wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, unterbezahlt zu sein, besteht die Gefahr, dass man diesen Umstand akzeptiert.

Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich verkaufe mich lieber nicht, als unter Wert. Fertig. Wenn wir einen Auftrag nur bekommen, wenn wir das doppelte und dreifache an Leistung einbringen, für die wir eigentlich entlohnt werden, dann sind nicht unsere Auftraggeber die Idioten, sondern nur wir selbst.

Was passiert aber, wenn wir keine Aufträge mehr bekommen?

Nichts, was soll passieren?

Aber dann verdienen wir nicht mehr genug Geld.

Ihr verdient jetzt schon nicht genug Geld.

Aber dann bekommen wir noch weniger.

Dafür gibt es nur einen Grund, eure Arbeit ist wertlos. Warum sonst bekommt ihr nicht genug bezahlt? Es gibt nur eine einzige Erklärung, für die Unterbezahlung der „Kreativen“: sie leisten keinen wirklich wertvollen Beitrag.

Egal ob Webdesigner, Filmemacher, Usability-Experten, iOS-Programmierer oder was auch immer – wir müssen Arbeit liefern, die einen echten Wert für unsere Auftraggeber hat. Wenn wir nur „schöne“ Dinge machen, ist klar, dass wir pleite gehen. In Schönheit sterben, wie es so treffend heißt.

Das heißt nicht, dass Schönheit egal wäre, sie kommt aber erst an zweiter Stelle. An erster Stelle steht Nützlichkeit. Nur wer nützlich ist, kann dafür Geld verlangen und genau das sollte man dann auch tun, um sich vor zu vielen Projekten zu wehren.

Versucht mit eurer Arbeit so nützlich wie möglich zu sein, ihr werdet sehen, dass ihr eure Preise sehr schnell erhöhen müsst, um nicht in einer Flut von Projekten zu ertrinken. Nützlichkeit ist sehr gefragt und wenn es sich langsam herumspricht, wie nützlich ihr wirklich seid, bekommt ihr genau das, was ihr verdient.

Und das Beste daran: bekommt ihr einmal einen Auftrag nicht, weil ihr zu teuer seid, könnt ihr statt im Büro zu sitzen ins nächtse Skigebiet fahren und euer Leben genießen, anstatt euch darüber zu beschweren.

Remote Usability Tests - einfach gemacht.
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Bisher 4 Kommentare

  1. Carmen17. Januar 2014

    Volle Unterstützung, danke für den Beitrag. Leider wird auch von offiziellen Vertretungen der Branche oder auf Universitäten dieser Zugang zu selten gepredigt. Und wenn, dann sind das häufig doch wieder nur leere Floskeln. Es fehlen denke ich auch einfach wirkliche Richtlinien, an denen man sich als Einsteiger orientieren kann, welcher Preis für welche Arbeit angebracht wäre…

  2. Stefan Rössler17. Januar 2014

    Es gibt sogar solche Richtlinien, in denen die Preise für bestimmte Tätigkeiten angeführt sind. Ich weiß jetzt leider weder, wer es herausgebracht hat, noch wie genau es heißt. Alles was ich weiß ist, dass es blau ist, über 100 Euro kostet und mehr oder weniger wertlos ist.

    Ich glaube Richtlinien sind praktisch, um sich ein Bild davon zu machen, wie sich irgendjemand vorstellt, dass die Welt sein sollte. Der tatsächliche Preis für deine (oder unsere) Arbeit hängt aber von anderen Kriterien ab. Gerade zu Beginn einer Karriere ist es wesentlich klüger, sich Gedanken darüber zu machen, wie viel ein Auftraggeber wohl bereit wäre, für diesen oder jenen Service zu bezahlen. Vor allem deshalb, weil man zu Beginn (mMn) so gut wie jeden Auftrag annehmen sollte. Nur auf diese Weise kommt man an echtes Feedback und setzt sich mit echten Menschen und echten Anforderungen auseinander, anstatt seinen träumerischen Zielen und Wunschvorstellungen nachzujagen.

    Sobald man dann Erfahrung gesammelt hat, kommt es immer mehr darauf an, wie viel Nutzen man einem Auftraggeber bzw. Kunden bringt. Das funktioniert allerdings erst ab einem Punkt, an dem man sich sowohl über seinen tatsächlichen Arbeitsaufwand bewusst ist (das ist anfangs niemand) und man auch den wirtschaftlichen Nutzen für einen Auftraggeber realistisch einschätzen kann.

    Hat man diesen Punkt erst erreicht, wird jedes Angebot bzw. jeder Auftrag so speziell, dass einen Richtlinien nicht wirklich weiterbringen. Wichtig ist dabei aber, den Preis für seine Arbeit ständig zu erhöhen … man wird ja tatsächlich von Auftrag zu Auftrag besser.

    Aber egal, ich schweife ab. Ich wünsch dir auf jeden Fall viel Glück mit deiner Arbeit und vor allem, jede Menge Spaß :)

  3. Cornelia17. Januar 2014

    Zum Thema Richtwerte: Einige Anhaltspunkte findet man im App CreaPro: http://www.werbe.at/die_geschaeftspraxis_in_der_kommunikationsbranche_als_mobile_app.de.202.htm

  4. Pingback Daniel Winter2. Februar 2014

    […] of them being advertising. The teacher told us about the importance of time tracking. As Simplease mentioned in their blog that the work of a creative is often quite underestimated. Not only do we need time […]

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