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Will was du machst!

von Stefan Rössler am 21. November 2013

3 Kommentare zuletzt von Stefan Rössler

Mein Motto war immer Folgendes:

Mach was du willst!

Nur dann wird das, was du machst auch wirklich gut. Nur dann hast du wirklich Spaß. Nur dann macht dein Leben einen Sinn.

Blödsinn!

Langsam begreife ich, dass es nicht darum geht, zu tun oder zu schaffen, was man will. Im Gegenteil, genau darin liegt unser Problem: Wenn jeder tut, was er will – auch auf Kosten anderer –, machen wir uns bloß gegenseitig das Leben schwer.

Die Konsequenz aus diesem Verhalten ist unsere Welt, wie sie heute ist. Ungerechtigkeit entsteht dann, wenn jemand einfach tut was er will, ohne dabei an andere zu denken. Oder ohne dabei das große Ganze im Sinn zu haben.

Was ich stattdessen vorschlage ist, dass wir das Motto „Mach was du willst!“ umkehren. Raus kommt dann der Titel dieses Artikels: „Will was du machst!“.

Klingt ungewohnt und fast als wäre es kein Deutsch, aber nach meinem Verständnis deutscher Grammatik (welches nicht sehr fundiert ist), handelt es sich dabei um eine korrekte Aussage.

[Und doch nicht: „… das ist wirklich kein Deutsch. Modalverben haben natürlich keine Imperative.“ Danke an Roland Münch für den Hinweis :)

Ich bleib trotzdem bei „Will was du machst!“, auch wenn es kein korrektes Deutsch ist. Schliesslich zeigt dieser Umstand nur, wie fremd uns diese Art des Denkens ist, wenn wir sie nicht einmal in unserer Sprache abbilden können.]

Die Aufforderung etwas zu wollen, klingt nur komisch. „Will gefälligst etwas!“ Das haben wohl die Wenigsten von ihren Eltern, Lehrern oder Vorgesetzten gehört. Stattdessen wurde uns ein lebenlang eingetrichtet, endlich etwas zu machen. Ganz egal, ob wir das wollen oder nicht.

Das haben wir eine zeitlang auch akzeptiert, doch jetzt stellen wir uns langsam die Frage, was wir machen sollen? Abgesehen von dem, was wir machen müssen, um der Erwartungshaltung anderer Menschen gerecht zu werden. Was sollen wir machen? Was wollen wir machen?

Wir befinden uns auf der Suche nach unserer großen Leidenschaft. Etwas, worin wir richtig gut sind und etwas, das uns vollkommen erfüllt. Die ultimative Suche nach dem heiligen Gral, ums völlig übertrieben auszudrücken. Etwas zeitgemässer könnte man sagen, die Suche nach dem Richtigen für mich.

Und diese Suche nach dem Richtigen führt auf direktem Weg ins Unglück. Ständig fragen wir nach dem Nächsten, weil wir unmöglich sicher sein können, das Richtige bereits gefunden zu haben.

Es bleibt immer ein Zweifel und ein Gefühl von Unvollständigkeit, welches uns unruhig werden lässt. Nicht Smartphones und Facebook machen uns unruhig, sondern unsere verzweifelte Suche nach uns selbst.

Wir werden immer unruhiger, weil wir zwar suchen und suchen, aber einfach nichts finden. Und warum? Weil wir am falschen Ort suchen.

Wir werden nicht plötzlich glücklich, weil irgendein Ereignis in unser Leben tritt. Ein toller Job, ein unglaublicher Partner oder unendlicher Reichtum sind etwas Wunderbares. Wahres Glück finden wir aber nicht in diesen „äußeren Erscheinungen“, sondern nur in uns selbst.

Was heißt das?

Das heißt, dass es keinen Sinn macht, auf Etwas zu warten, was man leidenschaftlich gerne macht. Stattdessen genügt es, mit Leidenschaft dabei zu sein, egal was man macht.

Völlig egal Was, auf das Wie kommt es an.

Natürlich wird das nicht immer möglich sein. Manche Dinge wollen wir einfach nicht in unserem Leben. Doch selbst wenn wir etwas nicht wollen, können wir es immer noch akzeptieren und ohne Klagen annehmen.

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Bisher 3 Kommentare

  1. Gerulf21. November 2013

    Den Artikel kann ich unterschreiben bis auf eine Sache: „[…] Nicht Smartphones und Facebook machen uns unruhig, sondern unsere verzweifelte Suche nach uns selbst.“

    Die extreme Übermedialisierung suggeriert uns trotz allem ein falsches Bild von unseren Mitmenschen und macht uns sehr wohl unruhig, sozial wie individuell. Lebensmodelle und Lebensläufe von Freunden, Freundesfreunden und sogar Fremden werden für uns transparent und da die Menschen nur das Positivste von sich preisgeben, man aber als Individuum dies nicht nur gegen das eigene Positivste abgleicht sondern auch Sorgen, Probleme etc. ins Selbst miteinbezieht, wird man „unruhig“ und „will“ nicht mehr sondern „muss“.

    Oder anders: Um auch viel Positives von sich selbst in die Welt zu blasen, muss man die neuen/sozialen Medien häufig verwenden und das macht unruhig. Der Druck kann schon recht groß werden, ich kenn es leider selbst.

    Weiters fallen für das Individuum auch die Referenzsysteme weg. Früher (vor ca. 10 bis 15 Jahren abwärts) hatte man als sozialen Kontext den Freundeskreis, die Familie, die Kollegen aus Beruf oder Ausbildung. Heute hingegen ist es überspitzt gesagt die Welt und durch die permanente Beschallung und Bebilderung unserer Umwelt mit dieser müssen wir uns mit der gesamten Welt messen, auch wenn wir gar nicht mehr wissen wo wir in dieser verankert sind.

  2. Martin21. November 2013

    Mit dem „Wollen“ hast du sicherlich Recht. Wenn das fehlt, kann man’s wirklich gleich bleiben lassen. Wie man sich selbst dorthin bringt, etwas zu wollen, was man vorher nicht wollte (und umgekehrt), das steht aber auf einem anderen Blatt …

    Mein Kommentar wäre aber nicht vollständig, ohne das spannende kleine Grammatikrätsel aufzulösen. Offenbar gibt es nämlich in der deutschen Sprache keinen Imperativ von „wollen“, also keine Befehlsform (siehe http://de.wiktionary.org/wiki/wollen_%28Konjugation%29#Imperativ). Endlich einmal ist die deutsche Sprache dabei sogar logisch, denn das „Wollen“ kommt von innen, das kann einem niemand befehlen – also man sich auch nicht selbst?

    Wir müssten also z.B. auf ein Modalverb als Krücke zurückgreifen. „Du musst wollen, was du machst!“ klingt schon eher nach „richtigem Deutsch“ (ist aber natürlich nicht so schön kurz. :-)

    Lesegefährliche Grüße Martin

  3. Stefan Rössler21. November 2013

    Danke Martin. Zum Einen für die Grammatikhilfe und zum Anderen für diesen Satz:

    … das „Wollen“ kommt von innen, dass kann einem niemand befehlen – also man sich auch nicht selbst?

    Das Fragezeichen würde ich sogar weglassen. Denn es stimmt, ich kann es mir nicht selbst befehlen. Ich kann es nur zulassen. Genau wie du sagst, das „Wollen“ kommt von innen. Wir brauchen es nur zu erkennen.

    Anstatt einfach zu wollen, was wir machen, suchen wir (ich spreche vor allem von mir) ständig nach dem, was wir wollen. Dabei gibt es dieses Was gar nicht. Das wollen kommt nicht von den „Dingen“ aus unserer Welt, sondern ist ein fixer Bestandteil in uns selbst. Es ist also automatisch in allem enthalten, was wir tun.

    Das denke ich mir zumindest, nachdem ich dein Kommentar gelesen habe. Noch einmal danke dafür :)

    Und Gerulf: Du hast recht. Facebook & Co sind die perfekten Beispiele dafür, wie wir uns selbst krank machen können. Ich will jetzt nicht zu weit ausholen, deshalb mach ich’s kurz: Wir sind so mit der Pflege unserer „Persönlichkeit“ beschäftigt, dass wir völlig vergessen, dass es in Wahrheit auf unseren „Charakter“ ankommt.

    Nicht genau dazu, aber doch zum Thema passend, ein kurzes Video von Stephen Covey.

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

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