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Im Simplease-Blog schreiben wir über Design, Web-Entwicklung und unser Leben als Selbstständige.

Wie viel ist deine Zeit wert?

von Stefan Rössler am 15. November 2013

Letzten Samstag waren wir beim UX-Camp in Wien. Es war ein gelungener Event, mit begeisterten Teilnehmern und erstklassigen Präsentationen. Davon will ich jetzt aber gar nicht reden.

Worüber ich reden will, ist Folgendes: Ein Gespräch, das ich mit einem der anderen Teilnehmer hatte, hat letzten Samstag meine Art, über Zeit und Geld nachzudenken, grundsätzlich verändert.

Klar kenne ich die Aussage Zeit ist Geld und ich weiß auch, dass wir Geld für unsere (Arbeits-)Zeit verrechnen müssen, wenn wir genug verdienen wollen. Eines war mir aber nicht klar.

Zeit ist genauso viel wert wie Geld. Wenn nicht noch wertvoller.

Ich fange jetzt nicht an, über kostbare Lebenszeit zu philosophieren und wende mein gefährliches Halbwissen auch nicht an, um Aussagen über unser kaputtes Geldsystem zu treffen. Stattdessen bringe ich ein praktisches Beispiel:

Software, die man nicht mehr kaufen kann, sondern für die man monatlich bezahlt. Software, die man sozusagen mietet. Das bekannteste Beispiel für dieses neue Bezahlmodell ist Adobe, die ihre Creative Suite seit einiger Zeit für eine monatliche Gebühr bereitstellen.

Viele Menschen finden dieses neue Bezahlmodell skandalös. Nicht nur was Adobe angeht, sondern ganz grundsätzlich. Software für die man monatlich 30, 50 oder 100 Euro bezahlen muss, ist eine Frechheit. Es ist unverschämt, monatliche Gebühren für Software zu verrechnen.

Eine Geschichte, die dazu passt: Ich bin letzte Woche auf eine Timetracking-Software gestoßen und habe diese in Skyrocket (unserem selbstgemachten interenen Kommunikations-Tool) mit Andi, Markus und Mathias geteilt.

Wir haben zuerst darüber gesprochen, wie viel uns die Software tatsächlich kosten würde und sind zu folgendem Ergebnis gekommen: 49$ im Monat. Mein erster Gedanke war „teuer“. Dass ich nicht der einzige war, der das so empfand, zeigten die Beispiele von Andi und Mathias.

Andi: Das kostet in 3 Jahren mehr als ein Macbook Pro …

Mathias: Und in 100 Jahren mehr als ein BMW!!!!!

Davon abgesehen, das Andi auf etwas hinweisen wollte und Mathias das mit einem lustigen Beispiel unterstrichen hat, sagen mir diese beiden Rechnungen eines ganz klar.

Wir vergleichen Äpfel mit Birnen, wenn wir das Mieten mit dem Kauf eines Produkts vergleichen. Das gilt für Software, genauso wie für Wohnungen, Autos und andere Produkte bzw. Dienstleistungen.

Ob man mietet oder kauft, kann man nicht entscheiden, in dem man die potentiellen Kosten des einen mit dem tatsächlichen Kaufpreis des anderen vergleicht. Die beiden Produkte lassen sich aus folgendem Grund nicht miteinander vergleichen:

Die Art der Bezahlung ändert das Produkt selbst.

Bleiben wir bei Software: Die Hersteller von Kauf-Software müssen jedes Jahr eine neue Version veröffentlichen, um regelmässig Umsätze zu erwirtschaften. Deshalb entwickeln sie neue Features, die sich zwar gut verkaufen, die das Produkt aber nicht immer einfacher und besser machen.

Genau das Gegenteil gilt für Software zum Mieten: Hier können sich die Entwickler darauf konzentrieren, das Produkt für seine Benutzer zu optimieren. Features werden nur dann eingebaut, wenn sie wirklich sinnvoll sind und die gewonnene Entwicklungszeit wird in die Verbesserung der bestehenden Funktionen gesteckt.

Das Bezahlmodell hat also direkten Einfluss auf die Qualität der Software. Deshalb ist diese neue Art des Software-Mietens nicht nur wirtschaftlich interessant (für die Hersteller), sondern tatsächlich besser (für die Benutzer).

Um auf den Punkt zu kommen: Wenn wir nur über den Preis nachdenken, können wir keinen fairen Vergleich zwischen mieten und kaufen anstellen. Wir brauchen einen besseren Massstab als Geld. Und zwar Zeit.

Hilft uns Software dabei Zeit zu gewinnen? Ja, dann ist sie unser Geld wert.

Nehmen wir einen Stundensatz von 60 Euro, das macht einen Euro pro Minute. Um herauszufinden, ob eine Software ihre ihre 49$ bzw. 36 Euro im Monat wert ist, brauchen wir uns nur eine Frage zu stellen: Hilft uns diese Software, 36 Minuten pro Monat zu gewinnen bzw. zu sparen?

Nicht 36 Minuten für jeden einzelnen von uns, sondern wir alle zusammen – gewinnen wir zu viert 36 Minuten unserer Zeit? Oder besser gesagt, verschwenden wir 36 Minuten weniger mit sinnlosen und nervigen Tätigkeiten, die wir uns mit Hilfe einer Software sparen können?

Wenn die Antwort ja lautet, dann ist diese Software tatsächlich 36 Euro im Monat wert. Punkt.

Es ist eine einfache Rechnung. Wir vergleichen die potentiellen Kosten einer Software mit dem potentiellen Zeitgewinn, der uns durch ihre Nutzung entsteht. Vorausgesetzt, unsere Zeit ist uns etwas wert.

Denken wir ohnehin, dass wir zu viel Zeit zu haben, können wir natürlich weiter nur über Geld sprechen. Erkennen wir aber, dass unsere Zeit viel wertvoller ist, als Geld es je sein könnte, erweitern wir vielleicht unseren Blickwinkel.

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Bisher 1 Kommentar

  1. Pingback Blogbeiträge zum UXCamp 2013 | UXCamp Vienna20. November 2013

    […] im Abo angeregt, wann es sich lohnt und welche Vorteile ein Software-Abo aus UX Sicht haben kann: Wie viel ist deine Zeit wert? Team Sisu: User Experience starts being unseful Leider nur auf slowakisch bloggt Martin Krupa :) […]

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

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