Simplease-Logo

Im Simplease-Blog schreiben wir über Design, Web-Entwicklung und unser Leben als Selbstständige.

Unser Website-Check – ein einziger Reinfall!?!

von Stefan Rössler am 19. September 2012

4 Kommentare zuletzt von k.s.

Vor einigen Monaten haben wir unseren Website-Check online gestellt. Auf diese Weise wollten wir potentiellen Auftraggebern veranschaulichen, was wir für sie tun können und ihnen dabei gleichzeitig einen günstigen Service anbieten, über den sich vielleicht – hoffentlich – die Chance zu einer längerfristigen Zusammenarbeit ergibt.

Wir haben das Angebot mittlerweile seit 5 Monaten online. Höchste Zeit also für eine kurze Bestandsaufnahme. Bis jetzt haben wir keine einzige Anfrage reinbekommen. Was für eine Enttäuschung. Bis vor 3 Tagen hatte noch nicht einmal jemand den Gratis-Testbericht angefordert. Kein Einziger! Warum ich das trotzdem auch als Erfolg werte? Weil wir wieder etwas Neues gelernt haben.

Die Hintergrund-Geschichte

Das Wichtigste zuerst: Jemand hat einen Gratis-Testbericht angefordert. Das heißt, es gibt da draußen jemanden, der grundsätzlich Interesse an dem hat, was wir für ihn tun können. Wir haben also einen neuen potentiellen Kunden erreicht. Nein leider nicht – wir kennen denjenigen, der die Anfrage geschickt hat. Wir haben sogar schon einmal mit dieser Person zusammengearbeitet.

So weit, so enttäuschend. Unser Hauptziel haben wir also nicht erreicht. Es ist aber auch nicht schlecht, mit jemandem zusammenzuarbeiten, den wir bereits kennen. Im Gegenteil, das ist eine Bestätigung unserer Arbeit. Leider hat die Sache einen Haken. Der Gratis-Testbericht, den dieser Jemand bestellt hat, existiert nicht. Nicht weil wir ihn verloren oder unabsichtlich gelöscht haben. Wir haben ihn gar nie erstellt.

Bei der Gestaltung des Usability-Checks und der dazugehörigen Website haben wir uns an die Lean-Startup-Philosophie von Eric Ries und vielen anderen gehalten. Wir wollten erst einmal das Interesse an unserem Produkt testen und bestätigen, bevor wir zu viel Arbeit hineinstecken. Was ja auch nicht ganz blöd war, konnten wir doch feststellen, dass unser Produkt keine Abnehmer findet.

Bleibt natürlich noch, dass jemand einen Gratis-Testbericht angefordert hat, den es in Wahrheit gar nicht gibt. Noch dazu jemand, den wir kennen. Klar, wäre es jemand gewesen, den wir nicht kennen, hätten wir uns hingesetzt, den Testbericht geschrieben und dann abgeschickt. Just in time, wenn man so will. Da wir den Interessenten jedoch kannten, erschien uns das irgendwie unpassend.

Eine bessere Idee war ein kurzes Telefonat mit der betreffenden Person zu führen. Wir konnten die Umstände erklären und hatten die Chance, direkt mit unserem Bekannten zu sprechen und genau zu erfahren, was er brauchen würde. Um es abzukürzen: Wir haben vereinbart, dass sich zwei von uns für je eine Stunde hinsetzen und in dieser Zeit die Usability-Probleme der Website seines Auftraggebers herausfinden und parallel dazu Notitzen machen. Die gesammelten Notizen schicken wir dann und die G’schicht hat sich.

Welche Lektion lernen wir daraus?

Wir lernen eigentlich zwei Lektionen. Wir haben erfahren, dass selbst Ideen, die theoretisch gut sind, in der Praxis versagen können. Und wir haben selbst gesehen, wie wichtig Feedback von echten Menschen ist.

Zugegeben, unser Website-Check ist alles andere als ein Erfolg. Trotzdem war es wichtig, diesen Service online zu stellen, um mit (zumindest einem) echten Menschen in Kontakt zu kommen. Ein einziges Telefonat macht uns bereits so viel schlauer, als wir vorher waren. Wir wissen jetzt, was wir an unserem Angebot verändern müssen.

Unser ursprüngliches Angebot umfasste ein 6 bis 10-seitiges Dokument (das es noch nicht gibt), wir hätten dabei die Ladezeiten einer Website getestet, einen konkreten Lösungsvorschlag für das größte Usability-Problem entwickelt, und Screenshots gemacht und kommentiert. Das Ganze hätte ca. 8 bis 10 Stunden gedauert(anfangs natürlich länger – wegen der fehlenden Dokumentvorlage). Gekostet hätte der Spaß ca. 400 Euro.

Das schien uns ein gutes Angebot zu sein. Doch wenn wir dieses Angebot mit dem vergleichen, was wir mit unserem Bekannten am Telefon besprochen haben, fällt auf, dass der Großteil davon völlig sinnlos ist. Wer braucht zum Beispiel ein perfekt gesetztes Dokument? Wer muss unbedingt die Ladezeiten seiner Website kennen? Bestimmt nicht jemand, der so günstig und schnell wie möglich erfahren will, was er an seiner Website verbessern kann.

Das bringt uns zum Website-Check NEU

Zwei von uns setzen sich für je eine Stunde an eine Website und finden dabei die größten Usability-Schwächen. Parallel dazu notieren wir alles, was wir finden können in einem Google-Docs-Dokument. Das Ergebnis ist eine Liste aller entdeckten Usablity-Probleme, sortiert nach Wichtigkeit. Wir schicken diese Liste als PDF-Dokument, das wir direkt aus Google-Docs exportieren. Das Ganze kostet genau 120 Euro.

Einfach oder? Genau das haben wir mit unserem Bekannten am Telefon besprochen. Natürlich werden wir Screenshots machen, wenn es dabei hilft, ein Problem zu erklären. Wir stellen uns nicht absichtlich dumm – wir verscheissen nur keine Zeit für Performance-Tests und Dokumentvorlagen, die ohnehin niemand braucht. Das Ganze muss nicht schön sein, sondern nützlich.

Zum Abschluss

Der Artikel sollte als spontaner Einfall gesehen werden. Weder haben wir intern darüber gesprochen, noch haben wir die offizielle Seite des Website-Checks aktualisiert. Ich hab mir nur gerade geacht, dass wir aus unseren Fehler lernen sollten, um am Ende doch noch einen erfolgreichen Service anbieten zu können, der für potentielle Auftraggeber wirklich interessant ist.

Außerdem sehe ich eine Änderung der Hauptzielgruppe. Als wir vor einigen Monaten die Idee zum Website-Check hatten, dachten wir, die Seite müsse zu Webshop-Besitzern, Anbietern von Kursen und staatlichen Einrichtugen sprechen. Heute glaube ich, wir sollten uns an unsere Kollegen richten.

Leute, die genau wie unser Bekannter, selbst in der Design/Kreativ/Software-Branche tätig sind. Erstens kennen wir diese Menschen selbst und sind mit einigen von ihnen befreundet – das erleichtert die Kommunikaton natürlich ungemein. Der zweite und viel wichtigere Grund ist aber, dass jeder unserer Kollegen einen Auftraggeber kennt, der gerne eine benutzerfreundlichere Website hätte.

Auf diese Weise können wir einen Win/Win-Situation schaffen. Unsere Kollegen können ihren Auftraggebern einen Service bieten, den sie sonst nicht im Angebot hätten, ihre Auftraggeber erfahren, was sie an ihrer Website verbessern sollten und wir haben mindestens zwei weiteren Menschen gezeigt, dass unsere Arbeit wirklich sinnvoll ist. Und dabei haben wir noch 120 Euro verdient. Spitze.

Ich fang gleich damit an: Kennt ihr vielleicht jemanden, der seine Website verbessern möchte und nicht genau weiß, wo oder wie er damit anfangen soll? Dann schlage ich vor, ihr fragt diese Person, ob er oder sie bereit wäre, 120 Euro in die Benutzerfreundlichkeit der eigenen Website zu investieren. Wenn die Antwort ja lautet, dann schreibt uns bitte eine kurze E-Mail an office@simplease.at und dann red ma uns des aus.

Remote Usability Tests - einfach gemacht.
Vorheriger Artikel: Arbeite an eigenen Projekten
Nächster Artikel: Mal gewinnt man, mal verliert man

Bisher 4 Kommentare

  1. Tom20. September 2012

    Ahoi!

    Kann es evtl. auch sein, dass eine Website mit dem Angebot des neuen „Produktes“ evtl. zu wenig Streuung/Reichweite hat? Vl. hättet ihr den Markt stärker oder anders mit eurem Produkt beschießen müssen, damit man darauf aufmerksam wird.

    Ich denke, dass ihr einfach die Entscheidungsträger der Firmen zu schlecht erreicht habt, weil euer Service eher einer ist, den man nicht sucht, sondern der einem proaktiv erklärt und angeboten werden muss. (so denke ich jedenfalls laienhaft)

    Natürlich ist es schwierig etwas vielen Leuten zu zeigen, ohne dabei viel zu investieren (das scheint ja Vorraussetzung zu sein) - aber vl. ist da zB klassische Telefonakquise schon ein probates Mittel, den „Gratis-Check“ an ein paar Firmen zu bringen um dann zu sehen ob der ausgelegte Köder zum anbeißen für mehr einlädt.

    oder so. Ahoi Tom

  2. Stefan20. September 2012

    Schön wieder von dir zu hören Tom :)

    Zwecks Streuung und Reichweite hast du auf jeden Fall recht. Wir haben die Seite online gestellt, im Blog und auf Facebook beworben und ein bisserl AdWords-Marketing betrieben. Viel mehr war da nicht.

    Deshalb haben wir auch den Gratis-Check eingebaut, weil wir dachten, dass jeder, der auch nur im Entferntesten an diesem Service interessiert ist, einen Gratis-Check haben möchte. Sobald wir dann in Kontakt mit echten Leuten kommen, hätten wir unseren Service daran anpassen können und somit langsam ein immer besseres Angebot gemacht. In mehr als 5 Monaten passierte jedoch nichts! Mit so wenig Interesse hätten wir (zumindest ich) niemals gerechnet.

    Ich glaube das größte Problem am Website-Check ist, dass er sich an Entscheidungsträger in Firmen gerichtet hat. Und niemand von uns kennt diese Entscheidungsträger. Wir wissen also schlichtweg zu wenig über unsere Zielgruppe, um effektives Marketing betreiben zu können. Klar, wir hätten auf der Website von Unternehmen die Telefonnummern dieser Entscheidungsträger heraussuchen können und einfach einmal durchläuten können … aber irgendwie kommt mir das komisch vor. Ich muss sofort an den aalglatten Verkäufer denken, der nichts anderes im Sinn hat, als zum Abschluss zu kommen. Und dagegen bin ich irgendwie allergisch. Aber gut, das ist eh mein Problem ;)

    Meiner Meinung nach sollten wir uns lieber auf das konzentrieren, was wir selbst in der Hand haben. Wir können unseren Kollegen und Freunden (dir zum Beispiel) erzählen, dass wir für 120 Euro die Usability-Schwächen einer Website herausfinden können. Wenn du oder irgendjemand, den wir kennen, genau diesen Service für einen Auftraggeber braucht, dann ist dieses Angebot, einfach genug, um diesem Auftraggeber vorgeschlagen zu werden und günstig genug um auch in Frage zu kommen.

    Aber gut, wahrscheinlich schreib ich in ein paar Monaten eh wieder einen Artikel, dass das auch nix geworden ist und man einfach wildfremde Menschen anrufen sollte, um ihnen irgendwas zu verkaufen, von dem sie bis vor dem Anruf noch gar nicht wussten, dass sie es brauchen … bis dahin bin ich trotzdem mal zuversichtlich, dass das nicht sein muss :)

  3. Peter22. November 2012

    Ein interessanter Artikel. Danke.

    Mir fallen zwei Dinge ein, warum Kunden solchen Service nicht in Auftrag geben.

    Dem Betreiber eines Webangebotes ist meist gar nicht bewußt, dass es Usability-Probleme geben könnte. Die Problematik von Accessibilty & Usability ist doch oft nicht einmal in Agenturen bekannt, denen ein „guter Ruf mit tollen Referenzen“ vorauseilt. Warum also sollte ein Websitebetreiber annehmen, es könnte Verbesserungspotential geben, wenn der ausführende Dienstleister sooo bekannt ist?

    Dann sind da noch die „do-it-yourself“-Projekte. Selbst gestrickt mit einem Webbaukasten der Spitzenklasse („Mit 5 Klicks zur eigenen Homepätsch“ - ganz ohne Programmierkenntnisse.“) Na, hallo - diese Webseiten müssen einfach super sein…

    Oder die Seiten, die der Cousin vom Friseur des Nachbarn des Bekannten angefertigt hat - der ist studierter Informatiker! Wenn der das nicht weiß…

    Und so werden solche Beratungsangebote zur Verbesserung von Webprojketen einfach nur als Geldschneiderei angesehen. Sicher nicht immer, aber immer öfter?

    120 Euro für einen Usabilitycheck ist ok, vermutlich sogar eher preiswert. Aber wir wissen auch, dass für diesen Preis auch schon mal ganze Webprojekte angeboten werden. Ab 250 EUR ist eigentlich schon normal. Dass diese oft nix taugen, wissen wir, nicht aber der Kunde. Und dabei geht es dann nicht nur um Usablity :-)

    Wie man gegen diesen Zeitgeist ankommen will, weiß ich allerdings auch nicht.

  4. k.s.23. November 2012

    Hi, ich habe doch mal als Testerin was fur euch gemacht. Sowohl der Testablauf als auch die Fragenstellung schienen wir gut durchdacht. Und der Kunde, guten Willens, hatte es deutlich nötig, ein paar Verbesserungen anzubringen, damit diese komplexe Seite komfortabel genutzt werden kann.

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

Nach Kategorie filtern

Produkte von Simplease

Userbrain - Usability Testing

User-Tests einfach und am laufenden Band.
Mehr erfahren

Neue Artikel per E-Mail

Facebook Link Twitter Link