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Das Nike+ FuelBand-Erlebnis

von Stefan Rössler am 25. August 2012

Markus hat mir heute seine Nike-Trainings-App gezeigt. Abgesehen davon, dass die gesamte App gut durchdacht ist, ist mir vor allem eine Sache aufgefallen: Als die App versuchte Daten zu synchronisieren und keine Verbindung zum Internet herstellen konnte, erschien eine Benachrichtigung mit der Überschrift Give us a few.

Screenshot Nike+ FuelBand app

Ich fand die Wortwahl interessant. Obwohl es sich hierbei um eine Fehlermeldung handelt, steht nichts von Entschuldigung oder der höflichen Bitte dieses oder jenes auszuprobieren. Die App sagt einfach, gib uns einen Moment. Für mich das perfekte Beispiel dafür, welchen Einfluss Sprache auf die User Experience hat – ob man will oder nicht.

Es ist klar, dass eine Fehlermeldung nicht Fehler Nr. 666 oder Achtung! Ein Fehler ist aufgetreten lauten soll. Der offensichtliche Ratschlag lautet daher, höflich zu sprechen. Zu höflich ist aber auch nicht immer gut. Würde sich die Nike-App dafür entschuldigen, dass das iPhone kein Signal empfangen kann, wäre das zu viel.

Wenn ich über diese Formulierung nachdenke, dann stelle ich mir das Interface als Person vor. Wie würde diese Person sein, wenn die Formulierung anders lauten würde? Zum Beispiel Es tut uns leid. oder Entschuldigen Sie das Problem oder Bitte haben Sie einen Moment Geduld? Wäre das eine Person, mit der ich gerne trainieren würde? Nicht wirklich.

Gib mir einen Moment ist hingegen genau richtig. Es könnten exakt die Worte sein, die ein Trainingspartner sagt, wenn ich stehenbleiben soll, damit er seinen Schürrsenkel zubinden kann. Sofort habe ich ein Bild im Kopf. Ich bekomme eine Vorstellung davon, wer diese App ist. Nämlich ein Freund, der mit mir zusammen trainiert.

Natürlich geschieht das bei vielen Menschen unterbewusst. Aber es passiert. Menschen können gar nicht anders, als zu personalisieren. Das ist die einzige Möglichkeit, wie wir die Welt um uns herum verstehen. Auf diese Weise schaffen wir Sinn, wo vorher keiner war. Und je stärker eine Persönlichkeit, desto mehr Sinn macht sie.

Das gilt natürlich nicht nur für Apps oder Web-Anwendungen und geht weit über die Software-Welt hinaus. Denkt zum Beispiel über die Persönlichkeit von Unternehmen nach. Welche Person wäre Apple? Welche Coca-Cola? Welche Person wäre etwa Audi, welche Mercedes und welche BMW? Alle diese Unternehmen haben nachvollziehbare Persönlichkeiten, mit denen man sich identifizieren kann oder nicht.

Völlig egal ob man sie nun liebt oder hasst, man muss sich mit diesen Unternehmen auseinandersetzen. Ihre Persönlichkeit macht mehr aus ihnen, als die Summe ihrer Produkte und Services. Genauso, wie die richtigen Worte aus einem Interface mehr machen können, als nur Pixel auf einem Screen.

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