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Kurze Anleitung zu mehr Kreativität

von Stefan Rössler am 4. Juni 2012

3 Kommentare zuletzt von Peter Reitz

Wo kommt eigentlich Kreativität her? Ich meine nicht diese „lass-es-uns-bunt-anmalen-dann-ist-es-kreativ“-Kreativität – ich spreche von „echter“ Kreativität. Und was ist echte Kreativität? Die Fähigkeit, etwas zu kreieren, etwas Neues zu erschaffen.

Jeder der selbst „erschafft“, egal ob als Designer, Autor, Regisseur, Programmierer oder als irgendeine andere Art „Kreativer“, kennt das Problem: Die Gedanken drehen sich ständig im Kreis und man erlebt das, was man Denkblockade nennen könnte.

Wie kann man diese Blockade auflösen? Was kann man tun, wenn den eigenen Gedanken jede Frische und Kreativität fehlt und man sich fühlt, als hätte man die Fähigkeit, kreativ zu sein, plötzlich verloren?

Die Quelle der Kreativität

“Creativity is a gift. It doesn’t come through if the air is cluttered.” John Lennon

Kreativität ist nichts, das wir mit Hilfe von Kreativitätstechniken oder speziellen Denkmethoden aus dem Nichts erschaffen könnten. Sie liegt nicht irgendwo herum und wartet nur darauf, dass wir sie aufheben. Das Gegenteil ist der Fall: Wir müssen warten, bis Kreativität zu uns kommt.

Das Schöne daran ist, dass Kreativität keine Seltenheit ist und wir nicht jahrelang warten müssen, bis wir sie endlich empfangen können. Wir müssen nur still sein. Das heißt, wir müssen dafür sorgen, dass die Luft nicht „überladen“ ist, wie John Lennon sagt. Überladen mit was? Mit Gedanken. Wahre Kreativität kann nur zu uns durchdringen, wenn wir uns von den Gedanken befreien und einen anderen Zustand, als den Zustand des Denkens erreichen. Man könnte diesen anderen Zustand als gedankenlose Aufmerksamkeit oder innere Stille bezeichnen.

“These kind of things – you can’t really talk about how they come ‘cuz they just come into your head, you know. They really do.” Paul McCartney

Wenn dir das bekannt vorkommt, weißt du, wovon ich spreche: Du arbeitest an einem schwierigen Problem, vielleicht bereits seit einigen Stunden oder sogar Tagen. Eine Lösung will und will sich einfach nicht finden lassen und egal was du auch versuchst, es scheint völlig aussichtslos zu sein. Du bist entmutigt und vielleicht frustriert und entscheidest dich, die Sache erst einmal ruhen zu lassen und später daran weiter zu arbeiten. Du gehst ins Freie, machst dir etwas zu trinken, legst dich auf die Couch oder was auch immer und plötzlich … das ist es, so geht’s.

“I’d spent five hours that morning trying to write a song that was meaningful and good, and I finally gave up and lay down. Then ‘Nowhere Man’ came, words and music, the whole damn thing as I lay down.” John Lennon

Es klingt völlig unlogisch und irrational. Und genau das ist es auch. Es hat nichts mit Rationalität oder Logik – also den Gedanken – zu tun. Kreativität liegt außerhalb des menschlichen Denkens. Man könnte sagen, Kreativität liegt unterhalb des Denkens, in unserem Unterbewusstsein.

Wahre Kreativität kann nur aus dem Unterbewusstsein kommen und wie erwähnt, können wir sie nicht einfach aufheben, sondern müssen aufmerksam sein, damit wir sie erkennen, wenn sie zu uns kommt. So einfach ist das. Schwierig fällt es einem nur, wenn man seine gesamte Aufmerksamkeit auf seine Gedanken gerichtet hat und versucht kreativ zu denken, was bereits ein Widerspruch in sich ist.

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Tipps um die eigene Kreativität zu begünstigen:

Ich würde gerne Tipps geben, wie man seine eigene Kreativität steigern kann, leider kann man Kreativität aber nicht steigern. Zumindest nicht in dem Sinne, wie man zum Beispiel seine Produktivität steigern kann. Man kann aber vieles tun, um Kreativität zu begünstigen:

  • Wenn du krampfhaft nach einer Lösung suchst, hör auf weiterzusuchen. Verlasse deinen Arbeitsplatz und versuche dich von den Gedanken zu lösen, indem du zum Beispiel spazieren gehst, einen Tee zubereitest oder das Geschirr abwäscht. Egal was du tust, versuche nicht über deine Arbeit nachzudenken. Und wenn du dich dabei erwischt, wie du über deine Arbeit nachdenkst, bemerke, dass du schon wieder in Gedanken versinkst und in dem Moment, wo du dir deines Denkens bewusst wirst, kannst darüber hinausgehen und dich davon befreien.
  • Geh offline, wenn du kreativ sein willst. Ich merke oft, wie ich mir selbst was vormache, wenn ich mir während des Schreibens einrede, ich müsste dringend die genaue Definition dieses oder jenes Wortes googlen, damit ich weitermachen kann. Auf diese Weise habe ich mich schon dutzende Male auf irgendwelchen Websites verloren, die mir die Google-Suche vorgeschlagen hat und die mir als vermeintliche Inspirationen erschienen. In Wahrheit waren sie nur Ablenkungen, die dafür sorgten, dass der Artikel, an dem ich gerade arbeitete doch nicht fertig wurde.
  • Kein Facebook, kein Twitter, keine E-Mails. Das erwähne ich nur zur Sicherheit, weil man ja eigentlich sowieso offline sein sollte. Klar, für manche Arbeiten – vor allem als Programmierer – ist es unvermeidlich, online zu sein. Trotzdem sollte man darauf achten, dass das einzige Gezwitscher, das man hört, von echten Vögeln kommt.
  • Schalte dein Telefon aus. Jede Art von Unterbrechung ist tödlich, wenn man etwas kreieren möchte. Und alleine die Gewissheit, weder online noch telefonisch erreichbar zu sein, befreit Einen von einer riesigen mentalen Belastung, die es unmöglich machen würde, wahre Kreativität zu empfangen.
  • Versuch nicht dich abzulenken. Innerlich still bzw. gedankenlos aufmerksam zu sein ist nicht dasselbe, wie sich abzulenken. Natürlich, den Fernseher einzuschalten, ein Buch zu lesen oder E-Mails zu schreiben ist besser, als stur über sein Problem zu brüten. Noch besser ist es aber, einfach still da zu sitzen oder zu liegen und seiner Umgebung zu lauschen.
  • Vergiss deine Probleme. Jeder von uns hat seine eigene Geschichte. Eine problematische Geschichte, voll von negativen Erlebnissen und stark geprägt von Zukunftsängsten. Wenn du kreativ sein willst, dann musst du die Probleme deines Alltags vergessen und dafür sorgen, dass die Luft nicht „überladen“ ist.
  • Fokussiere dich auf den Moment. Egal was du tust, tu es mit voller Aufmerksamkeit. Mach alles um seiner selbst Willen und sieh die aktuelle Tätigkeit nicht bloß als Mittel zum Zweck. Versuche eins nach dem anderen zu tun und verzichte auf Multitasking oder die Steigerung deiner Effizienz. Du kannst Kreativität nicht erzwingen, sondern musst sie passieren lassen.

Es gibt natürlich noch unzählige weitere Möglichkeiten, um Kreativität zu begünstigen. Wichtig ist nur, zu erkennen, dass man nicht auf Knopfdruck kreativ sein kann. Kreativität entsteht nicht in unserem Verstand und kann nicht mit Gedanken gefunden werden.

Bei mir selbst ist es so, dass, je mehr ich über ein Problem nachdenke, desto weiter scheint die Lösung in die Ferne zu rücken. Das heißt nicht unbedingt, dass mir die Lösung zufliegt, sobald ich aufhöre über das Problem nachzudenken. Oft dauert es Stunden, Tage oder Wochen.

Es ist aber beruhigend zu wissen, dass ich mit mehr Anstrengung nicht mehr erreichen würde, sondern mir sogar selbst Steine in den Weg legen würde und es besser ist, wenn ich mich nicht zu sehr in meine Arbeit verbeisse und stattdessen einfach alles ein wenig lockerer sehe.

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Bisher 3 Kommentare

  1. Christoph4. Juni 2012

    Sehr interessant ist auch John Cleese zu dem Thema: http://www.youtube.com/watch?v=zGt3-fxOvug http://www.youtube.com/watch?v=VShmtsLhkQg

  2. Caroline Simoné21. August 2013

    Joggingrunden im Wald führen auch zu unerwarteten Lösungen, aber darauf warten zu müssen, bis man von der Muse geküsst wird, stimmt auch nicht so ganz. Wichtig ist, dass man die Angst verliert und zulässt, kreativ zu sein. Das Gemeine an dieser Angst ist jedoch, dass sie sehr subtil ist und in allerlei komischen Situationen daherkommt. Trotzdem kann man lernen, auf Knopfdruck kreativ zu sein. Alles Liebe Caroline

  3. Peter Reitz5. Juli 2014

    Schöner Artikel auch zum Thema „Kreativität im Coaching-Prozess“:

    http://www.coaching-ausbildung-kompakt.de/blog/item/54-kreatitivit%C3%A4t-im-coaching-alles-nur-erfunden.html

    Herzliche Grüße,

    Peter Reitz

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