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Wir können selbst entscheiden

von Stefan Rössler am 30. April 2012

Wir treffen in jedem Moment unseres Lebens Entscheidungen. In jeder Situation wählen wir aus einer unendlich großen Anzahl von Entscheidungsmöglichkeiten. Einige dieser Entscheidungen treffen wir bewusst, andere unbewusst.

Ob es uns gefällt oder nicht, alles was in diesem Moment mit uns passiert, ist das Ergebnis unserer bisherigen Entscheidungen. Leider treffen viele von uns die meisten Entscheidungen unbewusst und merken deshalb nicht, dass es sich dabei um Entscheidungen handelt.

Ein Beispiel: Stell dir vor, jemand beleidigt dich. Wahrscheinlich würdest du dich dafür entscheiden, beleidigt zu sein. Oder jemand macht dir ein Kompliment. Jetzt würdest du wahrscheinlich entscheiden, dich geschmeichelt zu fühlen. Der Punkt ist, egal in welcher Situation, du entscheidest selbst, wie du reagierst.

Viele Menschen sind der Meinung, sie wären die Opfer ihrer Umstände, ihrer Lebenssituationen und anderer Menschen. Sie verhalten sich in den meisten Situationen reflexartig – genau wie die Hunde, die während der Fütterung ein Glockenläuten zu hören bekommen, reicht mit der Zeit das bloße Läuten der Glocken aus, um sie zum Sabbern zu bringen.

Viele leiden stark unter den Auswirkungen dieser jahrelangen Konditionierung. Sie reagieren immer wieder auf die selbe Art und Weise auf die Reize ihrer Umwelt und ihre Reaktionen scheinen von Menschen und Umständen automatisch ausgelöst zu werden. Dabei vergessen sie, dass sie immer noch selbst die Entscheidungen treffen – in jedem Moment ihrer Existenz.

Ein kleines Beispiel aus meinem Leben: Vorige Woche habe ich für mich und meine Freundin Spaghetti gekocht. Ich wollte Etwas ganz besonderes daraus machen und habe mir ein Rezept aus dem Internet gesucht und einen ganzen Nachmittag damit verbracht, die besten Zutaten (in drei verschiedenen Geschäften) zu kaufen und streng nach Rezept zuzubereiten. Das Urteil meiner Freundin fiel vernichtend aus. Ich hatte für die Zubereitung Rotwein verwendet – wie im Rezept beschrieben – hatte aber keine Ahnung, dass sie den Geschmack nicht ausstehen konnte. Als mir klar wurde, dass es ihr nicht schmeckt, merkte ich, wie ich für einen kurzen Moment anfing grantig zu werden. Über drei Stunden Arbeit und das war der Dank? Ich wollte schon etwas sagen, als mir Folgendes einfiel: Wenn ich jetzt grantig werde, weil ihr mein Essen nicht schmeckt, dann ist das mein Problem, nicht ihres und ich kann mich jetzt dafür entscheiden grantig zu sein oder ich entscheide mich dafür, locker zu bleiben und meine Energie nicht für einen frei erfundenen Streit zu verschwenden.

Nun, ich habe mich für Variante 2 entschieden und gleich am übernächsten Tag das nächste Mal gekocht und scherzhalber behauptet, ich hätte Rotwein bei der Zubereitung verwendet. War jetzt kein super Gag aber darum geht es nicht. Es geht darum, dass ich meine Reaktion in jeder Situation selbst aussuchen kann. Wenn ich unbedingt will, dann kann ich streitsüchtig sein und mir mein Leben schwer machen oder ich entscheide mich anders. Ich habe die Wahl.

Meine Geschichte zeigt aber noch nicht ansatzweise, wozu Menschen in der Lage sind, wenn sie sich bewusst sind, dass sie ihre Reaktion selbst aussuchen können. Eines meiner Lieblingsbeispiele dafür ist die Geschichte von Viktor Frankl. Der österreichische Psychologe ist ein KZ-Überlebender und schildert in seinem Buch … trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager, wie es selbst unter inhumansten Bedingungen möglich sein kann, einen Sinn im Leben zu sehen.

Die Eltern Frankls, sein Bruder und seine Frau wurden in den Gaskammern ermordet. Mit Ausnahme seiner Schwerster, wurde seine gesamte Familie von den Nazis hingerichtet. Er selbst wurde gefoltert und erlitt unzählige Entwürdigungen, während er sicher sein konnte, in Kürze selbst in der Gaskammer zu landen. Eines Tages erkannte Frankl jedoch „die letzte Freiheit des Menschen“, wie er sie später nannte: Er konnte selbst entscheiden, welche Auswirkungen all diese schrecklichen Umstände auf ihn haben. Frankl erkannte ein fundamentales Prinzip der menschlichen Natur:

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit. Viktor Frankl

Ein weiteres Beispiel dafür, dass wir unsere Reaktion selbst aussuchen können, ist Randy Pausch. Er war Professor für Informatik an der Carnegie Mellon University und hielt dort im Jahre 2007 einen Vortrag unter dem Motto „Last Lecture“ mit dem Titel „Really Achieving Your Childhood Dreams“. Randy litt zu dieser Zeit bereits an einer unheilbaren Krankheit und nutzte die Gelegenheit für eine humorvolle und lebensbejahende Rede über seine persönlichen Lebensweisheiten. Mit Hilfe des Internets erreichte er innerhalb kurzer Zeit einen weltweiten Bekanntheitsgrad und wurde in Fernsehsendungen eingeladen, um seine Geschichte mit anderen Menschen zu teilen.

Gleich zu Beginn der „Last Lecture“ geht Randy auf seine Krankheit ein und weist darauf hin, dass es ihm leid tue, wenn einige Leute enttäuscht wären, dass er Angesichts der Tatsache, dass er in Kürze sterben würde, nicht schlechter drauf sei. Er fühle sich einfach nicht danach, schlecht drauf zu sein. Er hat für sich selbst entschieden, nicht schlecht drauf zu sein und seine restliche Zeit in vollen Zügen zu genießen.

Meine Spaghetti-Geschichte wirkt im Nachhinein lächerlich und passt auch nicht wirklich zu den beiden Geschichten von Viktor Frankl und Randy Pausch. Eines haben dennoch alle drei Geschichten gemeinsam: Egal wie schlimm die Umstände in denen wir uns befinden auch sind, egal wie groß unser Leiden auch sein mag, angefangen bei Kleinigkeiten bis hin zum sicheren Tod und egal, was auch immer uns passiert, wie es uns dabei geht, ist unsere eigene Entscheidung. Unglücklich zu sein ist genauso eine Entscheidung, wie glücklich zu sein.

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Bisher 2 Kommentare

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    […] Du machst es nicht, um anderen zu gefallen. Dieser Hinweis ist schwierig zu erkennen. Wir treffen so viele Entscheidungen unbewusst, dass wir uns möglicherweise gar nicht im Klaren darüber sind, dass wir bestimmte Dinge tun, um […]

  2. Pingback 7 Hinweise dafür, dass du deinen Traumjob gefunden hast » Der Dilettant15. Mai 2012

    […] Du machst es nicht, um anderen zu gefallen. Dieser Hinweis ist schwierig zu erkennen. Wir treffen so viele Entscheidungen unbewusst, dass wir uns möglicherweise gar nicht im Klaren darüber sind, dass wir bestimmte Dinge tun, um […]

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