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Feiert euch gegenseitig

von Stefan Rössler am 23. April 2012

Wir Menschen leben die meiste Zeit unbewusst. Das liegt an unserem Verstand, welcher Dinge sozusagen ausfiltert, die wir bereits kennen. Das ist evolutionär gesehen praktisch – wer nicht jedes Detail seines täglichen Lebens mit der Aufmerksamkeit des ersten Mals betrachten muss, hat Zeit sich auf die unmittelbaren Gefahren seiner Umwelt zu konzentrieren.

In unserer hochentwickelten Zivilisation ist diese Funktion des menschlichen Verstandes allerdings bei weitem nicht mehr so nützlich. Im Gegenteil – das Ausfiltern bekannter Informationen ist der Grund, warum wir manchmal ängstlich, unzufrieden und unglücklich sind. Mihaly Csikszentmihalyi spricht in seinem Buch Flow: Das Geheimnis des Glücks von psychischer Entropie bzw. einer Zunahme von Unordnung unserer Gedanken.

Wenn wir unser Bewusstsein nicht auf die aktuell ausgeführte Tätigkeit richten, sondern in Gedanken abschweifen, dann fangen wir zu grübeln an. Wir beginnen damit, über alles mögliche nachzudenken, während unser Leben auf Autopilot weiterläuft. Wir stehen z.B. unter der Dusche, während wir in Gedanken längst am Weg in die Arbeit sind oder unseren nächsten Urlaub planen. Ein unfokussierter Verstand, der nicht bei der Sache ist, ist dazu verflucht sich Gedanken zu machen – und Gedanken sind der Ursprung allen Unglücks und Stress.

Mir fällt dabei die Hammer-Geschichte aus Paul Watzlawicks Anleitung zum Unglücklichsein ein:

Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann, hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Vielleicht hat er die Eile nur vorgeschützt, und er hat was gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts getan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht´s mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie Ihren Hammer“. Paul Watzlawick

Wie sieht nun aber die Alternative aus? Was kann man tun, um dieses Unglück zu vermeiden. Nun, zum Einen kann man weniger denken und mehr leben und zum Anderen kann man die täglichen Dinge des Lebens mehr schätzen. Die einfachste und effektivste Methode dazu lautet, sich den Menschen, welche einen die meiste Zeit des Lebens begleiten, bewusster zu werden. Egal ob Arbeitskollegen, Freunde, Eltern, Verwandte oder Partner – mit der Zeit nehmen wir einander nur noch wahr, wenn wir uns gegenseitig nerven. Die restliche Zeit sind wir einander wenig bis gar nicht bewusst und denken uns solange unglücklich, bis wir einen anderen Menschen anschreien, dass er seinen Hammer behalten könne.

Wir können damit aufhören, uns gegenseitig als selbstverständlich zu betrachten und uns nur noch wahrzunehmen, wenn wir uns gegenseitig auf die Nerven gehen. Stattdessen können wir uns einander bewusst werden und damit anfangen uns gegenseitig zu feiern – nicht nur an Geburtstagen, sondern an jedem einzelnen Tag.

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