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Lass dich nicht von deinem Wecker fertigmachen

von Stefan Rössler am 19. März 2012

2 Kommentare zuletzt von Lars

Wir werden an 5 Tagen in der Woche von unserem Wecker aus dem Schlaf gerissen. Das sind mehr als zwei Drittel aller unserer Tage auf diesem Planeten. Es zahlt sich demnach aus, den richtigen Umgang mit seinem Wecker zu lernen und sich nicht als erstes jeden Tag von einem elektrischen Gerät fertigmachen zu lassen.

Ich hatte meinen Wecker meistens auf eine Uhrzeit eingestellt, die es mir erlaubte, mindestens noch einmal auf Schlummern drücken zu können. Wenn ich also um 8 Uhr aufstehen wollte, hatte ich den Wecker zumindest auf 7:45 oder besser noch 7:30 gestellt, um nicht sofort aufstehen zu müssen. Mittlerweile habe ich diese Art der allmorgendlichen Selbstverarschung aufgegeben und stelle mir den Wecker genau auf die Zeit, zu der ich aufstehen will.

Ich kann beim ersten Läuten noch nicht aufstehen. Typische Ausrede (z.B. von mir früher)

Jeder der schon einmal den Begriff Selbsterfüllende Prophezeiung gehört hat, erkennt sofort das Problem dieser Aussage. Wer sich selbst einredet, beim ersten Läuten nicht aufstehen zu können, kann beim ersten Läuten wirklich nicht aufstehen. Und hier beginnt der Teufelskreis: Wer jahrelang nicht beim ersten Läuten aufsteht, wird immer überzeugter davon sein, das gar nicht zu können und folglich jeden Tag damit beginnen, den eigenen Wecker wieder und wieder darum zu bitten, sich doch in 5 oder 10 Minuten erneut zu melden.

Ich kenne diese Geschichte selbst am besten. Ich liege abends im Bett und überlege mir, auf welche Uhrzeit ich den Wecker für Morgen stellen soll. Dazu rechne ich vom Büro an rückwärts: 9 Uhr im Büro, eine halbe Stunde vorher daheim weggehen, davor eine halbe Stunde für Toilette und Badezimmer, mindestens 15 Minuten für den Kaffee und ein bisschen Sport wäre in der Früh auch nicht schlecht … 7 Uhr wäre eine gute Zeit. Dann noch eine halbe Stunde wegrechnen – zum Aufwachen – und den Wecker auf halb 7 eingestellt.

Nächster Morgen, 6:30 Uhr, der Wecker läutet. Ohne die Augen zu öffnen auf Schlummern gedrückt und erst einmal weiterschlafen. 6:40 Uhr – schon wieder der Wecker. Schlummern bitte. So geht es weiter, bis ich entweder um 7:00 Uhr aufgestanden bin und meinen Tag wie geplant begonnen habe oder – was wesentlich öfter passiert ist – ich beim dritten Läuten eine neue Weckzeit eingestellt habe. Sport muss in der Früh ja nicht unbedingt sein, da schlafe ich lieber eine halbe Stunde länger. Und das war der Punkt, an dem mich mein Wecker fertiggemacht hat und mir gleich zu Beginn des Tages gezeigt hat, wer hier der Boss ist – nämlich nicht ich.

Was genau war daran das Problem? Am Abend hatte ich mir noch vorgenommen, wie der nächste Morgen ablaufen sollte und dementsprechend meinen Wecker auf eine bestimmte Uhrzeit eingestellt. Am Morgen läutete mein Wecker und ich habe ihn auf Schlummern geschalten – und zwar mehrmals. In dieser Zeit, in der ich zwar wach war aber doch noch nicht aufgestanden bin, hatte ich schliesslich meinen Plan vom Vorabend verworfen. Sport war nicht mehr wichtig, merkte ich doch, dass ich hundemüde war und unbedingt noch etwas schlafen musste, bevor ich überhaupt aufstehen konnte. Und jetzt stellt euch vor, das passiert einem über Wochen, Monate oder gar Jahre hinweg – das Letzte was man jeden Tag macht, ist sich ein Ziel zu setzen (früh aufzustehen) und das erste was man jeden kommenden Tag macht, ist dieses Ziel nicht zu erreichen (weiter zu schlummern). Auf lange Sicht muss man zum Schluss kommen, ein totaler Versager zu sein, der sich besser überhaupt keine Ziele mehr setzt und einfach liegen bleibt.

Wir sprechen hier von Seblstvertrauen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ich will auf mich selbst vertrauen können. Die Geschichte mit dem Wecker mag lustig klingen, aber mit diesen kleinen Dingen fängt es an. Wenn ich es nicht einmal schaffe, in der Früh aufzustehen, was kann ich dann überhaupt schaffen? Und der Umgang mit dem eigenen Wecker ist nur eine von dutzenden Gelegenheiten, auf die wir jeden Tag treffen und die bewusst oder unbewusst darüber entscheiden, wie wir über uns selbst denken und was wir uns selbst zutrauen.

Jetzt da ich das gesagt habe, kommt mein Tipp, wie man sich nicht von seinem Wecker fertigmachen lassen muss. Ich spreche jetzt nicht davon, dass man seinen Wecker irgendwo hinstellen soll, um aus dem Bett aufstehen zu müssen, damit man das Klingeln abschalten kann – nein, das hat bei mir auch nicht funktioniert. Ich spreche von einer intrinsischen Motivation. Dem Ziel sich sein Selbstbewusstsein bei den alltäglichen Dingen des Lebens zu holen und nicht mit dem Gefühl durch das Leben zu gehen, nichts auf die Reihe zu bekommen.

Es ist ganz einfach: Du willst um halb 7 aufstehen? Dann stell dir den Wecker genau auf 6:30 Uhr! Wenn der Wecker läutet, dann denke an diesen Artikel oder besser noch, denke daran, was du dir gedacht hast, als du meine Geschichte gelesen hast. Wenn du deine innere Stimme sagen hörst, ich kann beim ersten Läuten nicht aufstehen, fang an zu Lächeln, atme tief durch und steh einfach auf.

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Bisher 2 Kommentare

  1. tom200019. März 2012

    http://www.brotips.com/1608

  2. Lars2. September 2014

    Das Problem der selbsterfüllenden Prophezeiung kenne ich im Fall des morgendlichen Aufstehens auch. Ich habe mir früher auch immer eingeredet, dass ich mindestens eine Viertelstunde brauche, um richtig wach zu werden. Im Grunde wurde das Aufstehen dadurch aber nur schlimmer und schwieriger, denn wenn ich nach dem Drücken der Snooze Taste erst einmal wieder eingedöst war und nach einigen Minuten erneut geweckt wurde, war ich viel aufgekratzter, als beim ersten Wecken. Heutzutage stelle ich mir den Wecker dafür lieber eine Viertelstunde später und stehe dafür relativ zügig auf, weil ich weiß, dass es mir damit über den Tag verteilt besser geht.

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

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