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Just-in-time vs. Just-in-case

von Stefan Rössler am 13. März 2012

Es gibt 2 verschiedene Arten von Menschen: Die einen machen/lernen/kaufen was sie gerade brauchen (just-in-time) und die anderen machen/lernen/kaufen was sie eventuell brauchen könnten (just-in-case). Werft einen Blick darauf, wie viel Zeug ihr besitzt und ihr wisst, welcher dieser beiden Menschen ihr seid.

Gut, der Unterschied ist in Wirklichkeit nicht so klar wie im ersten Satz beschrieben, aber es gibt zumindest die beiden Philosophien just-in-time und just-in-case. Damit ihr gute Entscheidungen treffen könnt, solltet ihr euch bewusst sein, ob ihr eher zum Einen oder zum Anderen tendiert. Vor allem Diskussionen mit anderen Menschen sind wesentlich einfacher zu führen, wenn ihr euch darüber im Klaren seid, welchen der beiden Philosophien die Beteiligten angehören.

Die meisten von uns neigen dazu den Großteil der Zeit just-in-case zu denken. Wir können relativ wenig dafür – es liegt an unserer Vorgeschichte. Während unserer gesamten Schulzeit wird von uns verlangt, Dinge zu lernen, die wir vielleicht irgendwann einmal brauchen werden (just-in-case). Je besser wir uns diesem System anpassen und je weniger wir uns dagegen wehren, desto größer werden unsere schulischen Erfolge und in Zukunft unsere beruflichen Chancen.

Wir gewöhnen uns an, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Wir lernen z.B. wie wir das Volumen einer Pyramide ausrechnen oder wie die Photosynthese bei Pflanzen funktioniert. Sollten wir jemals eine Pyramide bauen oder Biologe werden, könnten wir auf diesem Wissen aufbauen. Ich will jetzt gar nicht darüber diskutieren, ob dieses Just-in-case-lernen sinnvoll ist oder nicht – ich will nur festhalten, dass wir darauf konditioniert werden, Dinge zu lernen, die wir nicht unmittelbar brauchen.

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Wenn wir älter werden und nichts mehr lernen müssen, scheinen wir diese Philosophie des unnötigen Tuns in andere Bereiche unseres Lebens zu verlagern. Wir kaufen z.B. Zeug, das wir nicht wirklich brauchen. Interessant darin ist, dass wir uns dessen nicht einmal bewusst sind und es völlig normal finden, mehr als ein Dutzend T-Shirts und mehr als 3 Hosen zu besitzen. Wir orientieren uns nicht daran, was wirklich sinnvoll wäre sondern daran was gesellschaftlich akzeptiert wird. Und das in einer Gesellschaft, die für den Fall der Fälle vorsorgt und auf das Schlimmste vorbereitet sein will.

Das hört sich an, als wäre ich ein Gegner von just-in-case und ich muss zugeben, dass ich zumindest kein großer Freund davon bin. Für mich fühlt sich just-in-case wie Verschwendung an. Man verschwendet Zeit, Geld oder Energie auf Dinge, die man (noch) nicht braucht. Ganz so einfach ist die Sache aber nicht – manchmal ist just-in-case besser als just-in-time. Ich denke z.B. an Sport und gesunde Ernährung.

Wäre just-in-time immer besser, dann bräuchten wir nur zu warten, bis uns unser Arzt im Alter von 50 sagt, dass wir dringend gesünder essen sollten und Sport treiben müssen, wenn wir den nächsten runden Geburtstag noch erleben möchten. In dem Fall ist just-in-time allerdings schon zu spät. Es gibt also nicht die Entscheidung zwischen just-in-case = böse und just-in-time = supergut. Mir scheint es nur so, als würden manche Leute bei sinnlosen Dingen just-in-case denken und bei den Sachen, die wirklich wichtig wären, warten bis just-in-time zutrifft.

Ein konkretes Beispiel zum Abschluss: Wir arbeiten gerade an einer kleinen Software für uns selbst. Vor ein paar Tagen haben wir stundenlang darüber diskutiert, was diese Software alles können muss und sind zum Schluss gekommen, dass wir zu keinem Schluss kommen. Wir haben uns mit Just-in-case-Szenarien herumgeschlagen und über Features spekuliert, die wir vielleicht einmal brauchen könnten. Nach dem Wochenende haben wir noch einmal kurz darüber gesprochen und dabei versucht, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren: Was ist jetzt sinnvoll und was müssen wir bauen, damit das so schnell wie möglich funktioniert?

Dieser Fokus auf just-in-time hat es uns erlaubt, alles Unnötige auszuschließen und mit dem zurückzubleiben, was wir unbedingt brauchen. Uns wer hätte das gedacht: Es ist natürlich viel weniger als ursprünglich angenommen und wir konnten sogar schon einen ersten Papier-Prototypen bauen.

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