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Mit dem Rauchen aufhören und andere schlechte Gewohnheiten loswerden

von Stefan Rössler am 2. Februar 2012

7 Kommentare zuletzt von Nicole

Ich habe vor ungefähr einem halben Jahr mit dem Rauchen aufgehört. Davor habe ich über 13 Jahre lang geraucht – fast die Hälfte meines Lebens. Meine Methode um mit dem Rauchen aufzuhören war genauso einfach wie effektiv und lässt sich auch anwenden, um andere schlechte Gewohnheiten loszuwerden. Gewohnheiten wie das ständige Checken von E-Mails, literweisen Kaffeekonsum oder ungesunde Ernährung.

Bevor man beginnen kann, schlechte Gewohnheiten loszuwerden, muss man diese erkennen. Das hört sich banal an, ist aber der schwierigste und langwierigste Schritt im gesamten Prozess. Ich habe z.B. fast 13 Jahre gebraucht, um mir einzugestehen, dass es ein Problem ist, wenn ich täglich eine Schachtel Zigaretten rauche. Als ich dann aber soweit war, ging der Rest fast von alleine.

Der Grund dafür ist, dass wir uns ständig selbst belügen, um unser Bild von uns selbst wahren zu können. Stellt euch vor, wie schwierig es für mich war, mir einzugestehen, dass ich mein halbes Leben lang im Selbstzerstörungsmodus unterwegs war. Sich bewusst zu machen, dass man ein Problem hat, ist nur schwer möglich, weil man sich damit gleichzeitig eingestehen muss, dass man nicht immer richtig liegt. Das ist für die meisten Menschen schwierig, weil sie glauben, dass ihre Sicht der Dinge die richtige ist.

Deswegen tun wir uns auch leicht dabei, anderen Menschen gute Ratschläge zu geben, haben aber Probleme damit, selbst Ratschläge von anderen anzunehmen. Wir kennen uns selbst so gut, dass wir gewissermaßen vorbelastet sind, wenn es darum geht, unser eigenes Verhalten objektiv zu beurteilen.

“We tend to judge ourselves by our intent, but judge others by their behavior.” Stephen M. R. Covey in The Speed of Trust

Um eine schlechte Angewohnheit loswerden zu können, müssen wir uns ehrlich eingestehen, dass wir ein Problem haben. Nachdem ich z.B. erkannt hatte, dass ich ein Problem habe, wenn ich täglich eine Schachtel Zigaretten rauche, habe ich angefangen, mir selbst klar zu machen, dass ich unbedingt mit dem Rauchen aufhören will. Ich spreche nicht von einem halbernstgemeinten Neujahrsvorsatz, der bereits Mitte Jänner vergessen ist, sondern von dem Willen, etwas unbedingt ändern zu wollen.

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Im zweiten Schritt ist es wichtig, dass man sich immer wieder klar macht, dass man etwas unter allen Umständen ändern möchte. Auf dem Weg, eine schlechte Gewohnheit loszuwerden, kann es zu vielen Rückschlägen kommen und wir wollen sicherstellen, dass wir nicht beim kleinsten Hindernis aufgeben müssen. Das wäre furchtbar für unser Selbstvertrauen. Denkt nur an Menschen, die bereits unzählige Diäten versucht haben und immer wieder gescheitert sind – das Selbstvertrauen dieser Menschen sinkt mit jedem weiteren Fehlschlag und ein Erfolg wird von Mal zu Mal unwahrscheinlicher.

Es ist deshalb wichtig, dass wir eine schlechte Angewohnheit unbedingt loswerden wollen. Nachdem ich angefangen habe, meinen Zigarettenkonsum zu senken, hat mir eine einfache Methode dabei geholfen: Immer wenn ich eine Zigarette rauchen wollte, habe ich darüber nachgedacht, was ich mir davon erwarte und wie ich mich danach fühlen werde. Wenn ich also Lust auf eine Zigarette hatte, habe ich darüber nachgedacht, wie ich mich danach fühlen werde und festgestellt, dass ich mich über mich selbst ärgern werde, weil ich ja unbedingt aufhören möchte.

Diese Methode hat mir dabei geholen, jedes aufkommende Lustgefühl mit einem Lächeln im Gesicht zur Kenntnis zu nehmen und mich gut dabei zu fühlen, erst einmal keine Zigarette rauchen zu gehen. Über die Konsequenzen nachzudenken und zu erkennen, dass ich mich ärgern würde, wenn ich eine Zigarette rauchen gehe, wurde sozusagen zu meiner Ersatzhandlung. Und an diesem Punkt passierte etwas Interessantes: Jedes Mal wenn ich Lust auf eine Zigarette hatte und dann doch keine geraucht habe, wurde mein Selbstbewusstsein ein Stück weit gestärkt. Es wurde von Mal zu Mal einfacher, meinem Verlangen zu widerstehen und meine Motivation daraus zu beziehen, jetzt erst recht keine Zigarette rauchen zu gehen.

Und damit kommen wir zum dritten und letzten Schritt. Nachdem wir 1.) unser Problem erkannt haben und 2.) eine Ersatzhandlung dafür gefunden haben, können wir 3.) unsere Wahrnehmung von uns selbst ändern. Da ich seit ich 14 war geraucht habe, war ich immer schon ein Raucher. Wenn ich über mich selbst nachgedacht habe, habe ich mich als Raucher gesehen – wie alle anderen auch. In dem Moment, in dem ich meinen Verstand unter Kontrolle bekommen habe und dadurch mein eigenes Verhalten beeinflussen konnte, habe ich auch die Möglichkeit bekommen, mein Selbstbild neu zu zeichnen.

Und hier kommt das beste an meiner Methode: Am Ende muss ich mich nicht dafür entscheiden, entweder ein Raucher oder ein Nichtraucher zu sein. Ich bin einfach ich und wenn ich heute eine Zigarette angeboten bekomme, kann ich das Angebot gerne annehmen, weil ich nicht befürchten muss, rückfällig zu werden. Da ich von Anfang an selbst die Verantwortung für mein Verhalten übernommen habe, mein Problem selbst erkannt habe und mein Verhalten selbst verändert habe, bin ich von nichts anderem abhängig, als von mir selbst.

Dasselbe habe ich übrigens auch mit meinem übermässigen Kaffeekonsum gemacht. Ich habe erkannt, dass es ein Problem ist, täglich 3 bis 5 Tassen Kaffee zu trinken und trinke stattdessen einfach Tee. Die Ersatzhandlung ist eine andere als beim Rauchen, das Prinzip bleibt aber dasselbe.

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Bisher 7 Kommentare

  1. gerhard3. Februar 2012

    Wer wirkliche Hilfe braucht, um das Problem Nichtraucher werden zu lösen sollte einfach googeln nach http://www.nichtraucher-betriebsanleitung.de.

    Wirkliche lohnende Informationen.

  2. Markus3. Februar 2012

    @Gerhard schon ein bisserl dreist den eigenen Shop auf fremden Blogs als „wirklich lohnende Informationen“ zu bezeichnen, oder?

  3. JK3. Februar 2012

    Bei mir (15 Jahre Raucher) war sehr erfolgreich, E-Zigaretten zu benutzen. Man liest alles mögliches darüber, ist ja noch nicht klar ob sie wirklich gesunder sind (das ist aber nicht der Punkt, meiner Meinung nach), aber man kann dadurch die „Alltag-Ritualen“ (wie nennt man sonst die Raucherpause bei der Arbeit? Oder rauchen beim Trinken in der Kneipe?) trotzdem weiter führen und gleichzeitig langsam Abstand von Tabak nehmen. Es ist nämlich teurer aber für die Leute, die noch nicht bereit sind, das Rauchen aufzugeben ist es wirkungsvoll. Was am Ende wirklich zählt, ist aber nur die richtige Geistesverfassung - und das kann man nirgendwo kaufen.

  4. Bianca K12. März 2012

    Ich habe heute auf 99percent einen Artikel gelesen, der mich sofort an diesen hier erinnert hat. Es geht da auch darum, wie man schlechte Gewohnheiten los wird und sich gute Gewohnheiten durch Konditionierung aneignet. Sehr empfehlenswert: http://the99percent.com/tips/7040/Fix-Bad-Habits-Insights-from-a-7-Year-Obsession

  5. Stefan13. März 2012

    Danke für den Link. Werde ich mir durchlesen.

    Ja und die Sache mit den Gewohnheiten ist wirklich mächtig und wenn man darüber nachdenkt, erkennt man erst wie sehr uns unsere Gewohnheiten im Griff haben und dass es eigentlich genau anders herum sein sollte. The Seven Habits von Covey schlägt genau in diese Richtung und war für mich ein echter Augenöffner.

  6. Janni6. April 2012

    Schlechte Gewohnheit ist eig. untertrieben…

  7. Nicole7. Mai 2015

    Hi, ich denke auch, dass viel einfach die Gewohnheit ist. Mein Vater hat 40 JAhre lange geraucht. Kam für 5 Wochen ins Krankenhaus und konnte dort nicht rauchen. Er kam wieder raus und was macht er: Er raucht wieder. Den körperlichen Entzug hatte er in den 5 Wochen hinter sich gebracht, aber seinen Kopf hatte er nicht umgestellt!

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

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