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Warum wir Schulnoten sofort abschaffen sollten

von Stefan Rössler am 27. Dezember 2011

3 Kommentare zuletzt von JK

Ein paar Freunde und ich hatten vor kurzem eine Unterhaltung über das Notensystem an unseren Schulen. Wir haben über die Vor- und Nachteile von Schulnoten gesprochen, und um ehrlich zu sein, mir fallen nur Nachteile ein.

Das klassische Argument für Schulnoten ist, dass man alle Schüler miteinander vergleichen kann. Man hat ein objektives System, dass auf einen Blick verrät, welche Schüler besser sind als andere. Und darin liegt auch das größte Problem: Es handelt sich bei dieser Objektivität um eine Illusion.

Noten sind ungerecht. Nicht nur weil manche Lehrer ungerecht beurteilen, sondern weil das Wissen eines Menschen nicht auf einer Skala von 1 bis 5 dargestellt werden kann. Selbst auf einer Skala von 1 bis 100 würde das nicht gehen, weil man Wissen nicht objektiv bewerten kann. Das ist aber genau was passiert, wenn am Ende eines Semesters eine Note von 1 bis 5 im Zeugnis stehen muss. Es werden irrwitzige und absolut nicht nachvollziehbare Systeme erfunden, um selbst mündliche Prüfungen und Gruppenarbeiten mit einer Note zu bewerten. Wir verzichten auf eine faire Beurteilung zu Gunsten scheinbarer Objektivität.

Das Schlimmste an Schulnoten ist, dass sie von vielen Menschen ernst genommen werden. Da man die Leistung eines Schülers mit einer Zahl zwischen 1 und 5 versieht, entsteht der Eindruck, diese Beurteilung wäre objektiv und würde etwas über die tatsächliche Leistung eines Schülers verraten. In Wahrheit verrät eine Note aber mehr über den Lehrer als über den Schüler. Ich hatte in Englisch in der Hauptschule nie eine bessere Note als eine 4, als ich dann in die HAK kam, hatte ich nur noch 1er. Ich wurde nicht während der Sommerferien zum Englischprofi – die Ansprüche meines neuen Lehrers waren nur sehr viel niedriger als die meines alten. Würde man meine Leistung nur auf die Note reduzieren, wäre ich aber von einem unterdurchschnittlichen Schüler zu einem Vorzeigeschüler geworden.

Dieses Beispiel zeigt das größte Problem mit Schulnoten noch einmal ganz deutlich: Sie vermitteln Objektivität, obwohl sie in Wahrheit nichts anderes sind, als beliebig austauschbare Zahlen. Zahlen, die von so vielen Faktoren abhängen, dass sie die Leistung eines Schülers nicht einmal ansatzweise darstellen können. Diese Zahlen erwecken aber den Eindruck als wären sie objektiv und würden eine solide Grundlage sein, um unterschiedliche Schüler miteinander zu vergleichen. Sie sind aber nichts weiter, als der Versuch ein quantitatives System für etwas zu finden, dass sich nicht in ein solches System einteilen lässt.

Wir sollten der Wahrheit langsam aber sicher ins Auge sehen: Schulnoten sind ungeeignet, um die Leistung von Schülern zu bewerten. Jedes weitere Semester, in dem wir Schüler mit Noten zwischen 1 und 5 beurteilen, ist ein Zeichen für unsere Unfähigkeit, veraltete Systeme und Denkweisen aufzugeben und stattdessen über eine geeignetere Lösung nachzudenken.

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Bisher 3 Kommentare

  1. Markus27. Dezember 2011

    Vor kurzem dazu gelesen:

    Unfortunately public education systems around the world seem designed to crush creativity in favour of rote learning and test passing. As the years pass a fear of being wrong takes over from our natural creative tendencies. http://www.spring.org.uk/2011/12/why-people-secretly-fear-creative-ideas.php

  2. JK3. Februar 2012

    Das ist eine interessante Diskussion und man konnte sich stundenlang darüber unterhalten. Im Grunde genommen, das geht nicht mehr um Schule, sondern um die Struktur unserer Gesellschaft: was bedeutet „Bewertung“? Können wir überhaupt Menschen bewerten und wenn so, auf welche Art und Weise?

    Schon viele haben sich damit beschäftigt, einen Weg aus dem „normalen“ Schulsystem zu finden, was auch die Schulnoten betrifft (denk nur an die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Waldorfp%C3%A4dagogik"Steinerschule oder Alexander S. Neill und seine Summerhill Schule). So lang ich weiß, nicht viele waren erfolgreich. Ich glaube, darüber könnte man sagen, was Churchill über Demokratie meinte: „Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen - abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“

  3. JK3. Februar 2012

    Sorry, den ersten Link hab ich falsch geschrieben. Also hier nochmal: http://de.wikipedia.org/wiki/Waldorfschule

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

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