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Im Simplease-Blog schreiben wir über Design, Web-Entwicklung und unser Leben als Selbstständige.

Vom Schaumschlagen und Bauchpinseln

von Markus Pirker am 2. Dezember 2011

Im ersten großen Kundenauftrag vergaßen wir fast, wer wir sind.

„Das passt ja wie die Faust aufs Auge. Der perfekte Kunde. Hier müssen wir alles richtig machen.“ Diese und ähnliches waren die Dinge, die uns nach der Projektanfrage durch den Kopf gingen. Die Studiumszeit ging dem Ende zu und der Gedanke mit der eigenen Firma weiterzumachen festigte sich. Zeit also um ein ordentliches Referenzprojekt abzuliefern – so unser Plan.

Auftraggeber des Projekts war ein österreichisches Forschungszentrum und bat um einen Usability-Test für ein Mobiltelefon. Mithilfe des Telefons und einiger anderer Geräte war Ärzten möglich den Gesundheitszustand ihrer älteren Patienten zu überwachen. Die Senioren mussten dazu Messungen von Blutdruck oder Gewicht mithilfe des Mobiltelefons übertragen. Der Kunde wollte von uns wissen, ob das System für die älteren Menschen einfach genug zu bedienen ist.

Ein Fall für die Entwicklungsabteilung

Um die Senioren bei der Verwendung des Geräts so gut es ging zu beobachten, mussten wir eine Möglichkeit finden den Bildschirm des Telefons während der Benutzung zu filmen.

Ein Auszug aus unserer abschließenden Dokumentation beschreibt am besten, welch komplexe Maßnahmen wir dazu ergreifen mussten:

Auszug aus unserer Projektdokumentation des Usability-Tests

Unsere Auftraggeber erfuhr also nicht nur von den Anstrengungen unserer Entwicklungsabteilung, eigens für diesen Auftrag eine maßgeschneiderte Kamera zu fertigen, sondern bekam auch noch eine wohlüberlegte Produktbezeichnung der Lösung obendrauf.

Ihr habt es wahrscheinlich vermutet. Unsere „Entwicklungsabteilung“ war in diesem Projekt Christian, einer unserer Kollegen. Um genau zu sein der einzigen von uns mit mehr handwerklichem Geschick als einem Bulldozer. Er baute (mehr oder weniger alleine) in der FH-eigenen Werkstatt unser Vorzeigeprodukt.

Warum das Ganze?

Im Nachhinein betrachtet ist die ganze Geschichte für uns nicht nur eine halb-amüsante Peinlichkeit, sondern auch sehr lehrreich gewesen.

Wir waren zu Beginn unserer Selbstständigkeit vor allem auf der Suche nach funktionierenden Strukturen. Wie plant man die Zusammenarbeit im Team, wie kommuniziert man am besten mit Kunden, wie tritt man in Meetings auf.

Weil die eigenen Strukturen noch in den Kinderschuhen stecken, greift man auf ein erlerntes Verhaltensmuster zurück, das schon in frühen Tagen wunderbar funktioniert hat. Man imitiert andere. Man arbeitet 9-5, ruft zu Meetings, schreibt Protokolle und braucht unbedingt ein eigenes Büro. Warum? Weil es andere auch so machen und es dort funktioniert.

Unser Text zur „SwanCam“ sollte damals vor allem eines machen. Eindruck. Hier spricht eine erfolgreiche Firma mit funktionierenden Strukturen wie einer eigenen Entwicklungsabteilung. Für den Weitblick, dass spätestens bei der Endpräsentation (in den FH Räumen) auffällt, dass hier keine 40 Jährigen Geschäftsmänner, sondern Studenten Anfang 20 das Projekt geleitet haben, hat es bei uns nicht mehr gereicht.

Mittlerweile haben wir gelernt, dass wir uns nicht mehr hinter großen Wörtern verstecken müssen. Es ist schwierig Vertrauen für seine Arbeit aufzubauen, wenn man vorgibt ein anderer zu sein, als man in Wirklichkeit ist. Wir haben deshalb nicht mehr mit unserer Entwicklungsabteilung angegeben. Ist auch schwierig, denn diese ist von Graz nach Wien gezogen und arbeitet von dort aus als selbstständiger Fotograf.

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