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Design ist Kommunikation

von Stefan Rössler am 16. Dezember 2011

7 Kommentare zuletzt von Stefan

Das ist ein Ausschnitt des Covers von Edward Tufte’s The Visual Display of Quantitative Information. Unser Lehrer Konrad Baumann hat es als Einstieg zur ersten Einheit „User Interface Design“ gezeigt und uns damals gefragt, worum es sich dabei handeln könnte.

Vor diesem Tag dachte ich immer, Design müsste in erster Linie schön sein. In dem Moment, als mir klar wurde, dass auf diesem Bild ein Fahrplan dargestellt wird, der die einzelnen Zugverbindungen zwischen zwei Städten zeigt, habe ich meine Auffassung von Design aber stark erweitert. Design muss nicht (nur) schön aussehen – Design muss kommunizieren.

Ein Fahrplan, der alle Zugverbindungen zwischen Paris und Lyon zeigt (Achsenbeschriftungen Links: Haltestellen; Oben: Uhrzeit)

Auf der vertikalen Achse werden alle Stationen zwischen den beiden Städten angezeigt. Auf der horizontalen Achse sind die 24 Stunden eines Tages aufgelistet. Diagonale Linien die von links oben nach rechts unten gehen, zeigen Fahrten von Paris nach Lyon. Striche von links unten nach rechts oben, zeigen Fahrten von Lyon nach Paris.

Die besondere Schönheit dieser Abbildung liegt darin, dass weder ein einziger Strich sinnlos ist, noch irgendein Kontrast zufällig gewählt wurde. Je stärker der Kontrast einer diagonalen Linie, desto schneller der Zug. Das heißt Hauptverbindungen haben einen stärkeren Kontrast, als Regionalzüge, die man auch daran erkennt, dass sie weniger steil sind – also mehr Zeit für dieselbe Strecke benötigen. Wie lange ein Zug an einer Haltestelle stehen bleibt, erkennt man an den „Hackern“ in den Diagonalen:

Auch die Kontraste der vertikalen Linien ergeben Sinn. Stunden sind stärker hervorgehoben, als halbe Stunden. Halbe Stunden sind wiederum stärker hervorgehoben, als 10 Minuten. Jedes noch so kleine Detail sieht genauso aus, wie es aussieht, weil es so am meisten Sinn ergibt. 100% Kommunikation, 0% Dekoration – das ist perfektes Design.

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Bisher 7 Kommentare

  1. simon16. Dezember 2011

    mei, da baumann wär so der tolle lehrer gwesen, wenn er sies ned im ersten semester durch den echt miesen usabilitytesting-unterricht mit 95% der studenten verschissen hätt …

  2. Tom16. Dezember 2011

    gibt es perfektes design? frage ich ganz kess in die runde. Ich persönliche glaube, das design auch ganz stark von zeit, ort, und charakter abhängt (und etlichem mehr). sprich, etwas was für mich, hier und jetzt ideal sein kann, ist vl. für meine tante, aufm berg, in zwei jahren, oder für mich, in einem Vorlesungsraum, vor 5 Jahren - nicht ideal.

    bubi di ba

  3. Stefan20. Dezember 2011

    @Tom: Perfektes Design in dem Sinn, dass es für jeden Menschen in jedem Kontext zu jeder Zeit ideal ist, kann es nicht geben. Wenn ich von perfektem Design spreche, beziehe ich mich auf das Zitat von Antoine de Saint-Exupery aus dem Artikel Weniger aber besser:

    „A designer knows he has achieved perfection not when there is nothing left to add, but when there is nothing left to take away.“

    Perfekt heißt also nicht ideal sondern minimal. Das finde ich so schön an dem Zugplan, man dürfte keine einzige Linie wegnehmen, ohne nicht auch Design wegzunehmen.

  4. Wolfgang5. Januar 2012

    @Tom: Natürlich hängt Design ganz stark von Zeit, Ort und Charakter ab, denn Design beruht in erster Linie auf der Wahrnehmung von Bedürfnissen – Ein guter Designer, gestaltet um ein bestimmtes Bedürfnis zu decken, entweder deines oder das deiner Tante ;) – Ein schönes Beispiel!

    @Stefan: Design ist selbstverständlich immer auch Kommunikation. Vor allem heißt Design aber auch Systeme gestalten (reduzieren) – Der Fahrplan ist ein schönes Beispiel für (gutes) Design – Klarheit, Effizienz…

    Vor diesem Hintergrund frage ich ganz kess in die Runde: Ist der Fahrplan somit nicht auch schön, ästhetisch, … ‚zum an die Wand hängen‘?

  5. Tom5. Januar 2012

    halli hallo!

    gute antworten :)

    @stefan - sehr schönes zitat, beantwortet meine frage aber nur bedingt. (ich möchte auch anmerken, dass ich die frage selber nicht beantworten kann, ich unterstütze ich deine these, aber für mich ist eben eine modell und kein system [wenn das sinn macht])

    perfekt ist wenn man als designer nichts mehr anmerken und weglassen kann/muss/soll. was wenn der plan aber eigentlich für alle leute gelten soll, also auch menschen die visuell eingeschränkt (blind) sind? dann müsste man etwas hinzufügen, aber menschen die normal sehen, brauchen dieses neue element wiederum nicht. eigentlich eine merkwürdige situation von redundanz und dann doch wieder nicht. ist vl. nicht das beste beispiel, aber was ich versuche zu sagen ist, dass einzelne modelle, die beschreiben wie perfektes design sein und wie es funktionieren soll in der theorie richtig sind, aber in der fülle der variablen in der realität allerhöchsten sehr nahe an (subjektive) perfektion kommen - sie aber nie erreichen können.

    ich hoffe das macht sinn.

    @wolfgang ich glaube schönheit ist zu individuell um eine allgemeingültige antwort zu finden, aber diese perfektion von der wir sprechen, das „nichts mehr hinzugeben und weglassen“ können sind für mich schon ästhetische merkmale. ich würds mir aufhängen :) wobei man wieder lange diskutieren könnte, ob es immer noch so schön wär, wenn man das prinzip beibehaltet aber den look, die farben, die skalierung des plans ändert usw. blabla

    ganz kess!

  6. Tom5. Januar 2012

    ihr solltet eine edit funktion einbauen, ist ja zum schämen so viele tippfehler :)

  7. Stefan5. Januar 2012

    Ich mag die Diskussion :)

    @Wolfgang: Als ich den Fahrplan zum ersten Mal gesehen habe, fand ich ihn nicht schön. Ich erkannte nichts weiter als Linien, die sich ohne erkennbares System kreuzten. In dem Moment, in dem mir aber klar gemacht wurde, was sich hinter diesem scheinbaren Wirrwarr verbirgt, erkannte ich plötzlich dessen Schönheit. Um deine Frage zu beantworten: Zu wissen, warum der Fahrplan so aussieht, wie er aussieht, macht ihn schön. Aufhängen würde ich ihn trotzdem nicht, aber das liegt eher daran, dass ich meine Wände am liebsten ohne Bilder mag ;).

    @Tom: Meinst du mit Modell die Theorie und mit System die Praxis? Wenn ja, dann verstehe ich dich und sehe das genauso. Design ist Theorie praktisch angewandt. Theoretisch kann Design perfekt sein, praktisch ist das unmöglich. Das hat aber weniger mit Design zu tun, als mit unserer Vorstellung von Perfektion. Wenn Perfektion nämlich bedeutet, ideal für jeden Menschen in jeder Situation, dann kann es kein perfektes Design geben. Ich denke aber, Perfektion bedeutet ideal für einen bestimmten Menschen, mit einem bestimmten Ziel in einer bestimmten Situation. Das kann im Extremfall heißen, dass Etwas für 99,9% aller Menschen völlig unbrauchbar ist und für die verbleibenden 0,1% die ideale Lösung darstellt. Und um deine ursprüngliche Frage doch noch zu beantworten: Ja, es gibt perfektes Design. Das heißt aber nicht, dass es für jeden Menschen in jeder Situation perfekt sein muss.

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