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Gedanken zu: Creating Engagement on Twitter

von Markus Pirker am 24. November 2011

3 Kommentare zuletzt von raphael

Jesse James Garrett bei der UX-Week 2011

Es ist immer wieder spannend Autoren deren Bücher man liest auch auf der Bühne zu sehen. Ich bin vor kurzem auf einen der Vorträge der UX Week 2011 von Adaptive Path gestoßen. Jesse James Garrett spricht hier, gemeinsam mit „Design-Researcher“ Mark über seine Arbeit am Twitter User-Interface. Die folgenden Dinge habe ich aus diesem Vortrag mitnehmen können.

Fokus!

Mark und Jesse sollten ein typisches Problem von Webservices lösen. Menschen melden sich auf Twitter an, klicken sich kurz durch die Seite und kommen nie wieder. Anstatt als erster Schritt Gespräche mit genau diesen Benutzern zu führen, die Twitter nach der Anmeldung nie mehr verwendet haben, trafen die beiden eine wichtige Entscheidung. Sie beschränkten sich bei der Arbeit auf Benutzer, die nach der Registrierung Twitter sofort verlassen haben, sich aber trotzdem nach einiger Zeit wieder auf der Seite anmeldeten.

„We thought if we could figure out what their experience was, that caused them to bounce off and then caused them to reengage, we could figure out how to make that first-time User-Experience better for everybody.“ Jesse James Garret in „Creating Engagement on Twitter“

Benutzerinterviews als Grundlage für Entscheidungen

Der erste Schritt in der Design-Recherche von Jesse und Mark waren Gespräche mit Benutzern. In den Interviews lernten sie vor allem wie Twitter von diesen Benutzern wahrgenommen wird. Für die Menschen war Twitter eine Möglichkeit mehr über Prominente und Freunde zu erfahren sowie einer neuen Öffentlichkeit mitzuteilen, wann man das letzte Mal gehustet hat.

Die beiden versuchten zu verstehen, wie Twitter diesen Eindruck bei den Menschen bereits in der Registrierung hervorruft und stolperten über die „Suggested User-List“. Mark und Jesse haben gelernt, dass diese Liste mitverantwortlich für den (beschränkten) Eindruck war, den Menschen vom Nutzen des Services aufgebaut hatten.

In der „Suggested User-List“ werden Personen mit vielen Followers empfohlen.

Ein wichtiges Ziel des UX-Prozesses war also den vielfältigen Nutzen von Twitter besser zu kommunizieren.

Klarheit ist wichtiger als Einfachheit

Der neu gestaltete Anmeldeprozess von Twitter ist nun um einen Zwischenschritt länger als der alte. Was anfangs zu Diskussionen mit den Stakeholdern geführt hat, erwies sich im Nachhinein unerwartet positiv. Obwohl alle wegen dem zusätzlichen Aufwand bei der Registrierung mit einem Rückgang an Anmeldungen rechneten, schlossen mehr Menschen als vorher die Registrierung auch ab.

Was ist passiert? Auf der neu eingebauten Seite werden dem neuen Twitter-User statt Personen nun Themengebiete vorgeschlagen. Diese Kategorien ergaben sich aus den Benutzerinterviews.

„When we talked to the people who signed up, left and then came back, we talked with them about the things they care about. We tried to match this interests, that anyone who come to Twitter would find a couple of things they were really interested in.“ Mark Trammell

Die neue Anmeldung von Twitter ist um einen Schritt länger. Trotzdem schließen mehr Menschen die Registrierung ab als vorher.

Obwohl die neue Lösung durch den zusätzlichen Schritt oberflächlich komplexer erscheint, wird durch die Kategorien nun besser die Vielfalt des Angebots von Twitter gezeigt. Benutzer finden nun leichter einen Zugang zu einem der Themenbereiche und bekommen im Gegenzug relevantere Informationen.

Der Teufel steckt im Detail

Wir haben selbst in einem unserer letzten Tests von Papier-Prototypen die Erfahrung gemacht, dass vor allem kleine Details wie Button-Beschriftungen bei der Benutzererfahrung einen riesigen Unterschied machen können.

Auf den ersten Blick kleine Details haben oft große Auswirkungen

Um noch besser zu zeigen, dass Twitter vielfältiger genutzt werden kann als über die eigenen Stuhlgewohnheiten zu informieren hat das wichtigste Input-Feld von Twitter seit dem „Realign“ nun eine andere Beschriftung.

„It’s such a tiny tiny thing, that has made a huge difference in how people perceive the value of the service.“ Jesse James Garrett

Der ganze Talk

Was könnt ihr von diesem Video für eure tägliche Arbeit mitnehmen? Wir freuen uns über Kommentare.

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Bisher 3 Kommentare

  1. raphael29. November 2011

    Hey,

    danke für diesen tollen Link, da weiß man gar nicht, wo man anfangen soll zu schauen. Habe mich dann doch entschieden mit dem von dir vorgeschlagenem Video anzufangen ;)

    Sehr spannender Vortrag, ein typisches Understatement am Ende: „That’s all we got.“ - sie haben einen sehr wertvollen Beitrag für Twitter geleistet (obwohl ich, ironischerweise, ebenfalls nicht wirklich was mit Twitter anfangen kann ;)).

    Ich habe schon gleich nach dem Realign von der Label-Änderung in einem Vortrag gehört und ich muss sagen, ich war wirklich grundauf begeistert. Durch das simple Wechseln einer Frage haben sie es geschafft ein komplett neues Image zu schaffen. Ein Image, welches die Betreiber so sehr angestrebt hatten. Eine so winzige Änderung hat so einen gewaltigen Einfluss auf die User Experience - wahnsinnig spannend!

  2. Markus29. November 2011

    Hi Raphael,

    danke für dein ausführliches Kommentar. Ich bin auch erst vor kurzem auf die Videos gestoßen, anscheinend gibts die noch nicht allzu lange.

    Es sind oft die „Kleinigkeiten“ auf die es beim Interface-Design ankommt. Die Seite http://littlebigdetails.com/ sammelt solche Dinge, vielleicht mal interessant für dich da reinzusehen.

  3. raphael29. November 2011

    Wow, schaut ja sehr gut aus! Das ist mal definitiv ein Bookmark - danke sehr.

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

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