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Roulette – Das Spiel der Feiglinge

von Stefan Rössler am 12. Oktober 2011

2 Kommentare zuletzt von Samuel

„Alles auf Schwarz!“, sagte er und blickte den Croupier dabei mit funkelnden Augen an. Was für eine mutige Entscheidung. Die Kugel wurde ins Spiel gebracht, und er verfolgte ihre kreisenden Bewegungen. Obwohl sie nicht an Geschwindigkeit zu verlieren schien, konnte er nicht plötzlich auf Rot setzen. Er hatte seine Wahl bereits getroffen. Endgültig.

Kennt ihr den Wirt, der sich an einen Tisch mit Betrukenen setzt, um mit seinen Geschichten für Stimmung zu sorgen? Nun, ich bin diesem Wirt einmal gegenüber gesessen, und er hat mir erzählt, dass er beim Roulette immer auf 0 setzt. Als ich wissen wollte warum er das tut, sagte er mir, dass die 0 irgendwann kommen muss. Selbst wenn er den ganzen Abend lang verlieren sollte – irgendwann wird die 0 kommen und ihn zum Gewinner machen.

Was haben die beiden Geschichten gemeinsam? Nun, beide Geschichten handeln von Roulette. Was aber wichtiger ist, beide Geschichten handeln von Helden. In der ersten Geschichte setzt die Hauptperson wagemutig alles auf eine Farbe, und in der zweiten Geschichte lässt sich der Wirt nicht von seinem Weg abbringen, und schreitet mutig voran, bis er am Ende für seine Standhaftigkeit belohnt wird.

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Bei genauerer Betrachtung zeigt sich aber, dass unsere Helden ganz schöne Feigline sind. Der Erste hat in Wahrheit keine mutige Wahl getroffen, sondern nur entschieden, nicht selbst zu entscheiden. Er hofft auf sein Glück, das Schicksal oder den Zufall – je nach Gesinnung kann man es nennen wie man will. Am Ende bleibt ein trauriger Spieler, der nichts anderes macht, als seine Verantwortung abzuschieben.

Und was ist mit dem Wirt? Das ist doch wirklich mutig, selbst im Angesicht der drohenden Niederlage, noch an seinem ursprünglichen Plan festzuhalten, und trotz der widrigen Umstände bis zuletzt zu kämpfen? Eine Gegenfrage: Wäre es nicht mutiger, seine früheren Entscheidungen zu überdenken, und nach einer besseren Lösung zu suchen? Schon klar im Roulette würde auch ein Ändern der Taktik nichts daran ändern, dass nur Glück alleine über den Ausgang des Spiels entscheidet, aber ich meine jetzt im echten Leben.

Der Grund warum unsere beiden Helden feige sind, ist dass sie ein Spiel für Feiglinge spielen. Sie unterwerfen sich einem System, in dem sie selbst nicht für den Ausgang des Spiels verantwortlich sind. Einen Vorteil haben sie dadurch aber: Sollten sie verlieren, ist es nicht ihre Schuld, und sie können den Croupier beschimpfen, das Casino verdächtigen, die Roulette-Tische manipuliert zu haben, oder einfach über ihr ewiges Pech jammern.

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Bisher 2 Kommentare

  1. Martin Schlagnitweit8. November 2012

    Fazit: Black Jack spielen. Das macht mehr Spaß und man kann auch selbst mitentscheiden.

  2. Samuel21. Oktober 2017

    Ein sehr gelungener Beitrag. Ich werde diesen Blog aufjedenfall weiterempfehlen

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

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