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Hör auf ein Perfektionist zu sein!

von Stefan Rössler am 9. Oktober 2011

4 Kommentare zuletzt von Stefan

Das Wichtigste zuerst: Ich sage nicht, hör auf dich um Qualität zu kümmern und mach nur noch schlechte Sachen. Ich sage, hör auf ein Perfektionist zu sein, denn Perfektion ist nichts weiter als eine Ausrede. Eine Ausrede um nichts liefern zu müssen.

Wir können den Blog nicht online stellen, das Design ist nicht „WOW“ genug. Das Projekt verspätet sich, weil wir mit den Farben noch nicht 100%ig zufrieden sind. Wir können das heute nicht machen, weil das viel länger dauert, wenn man es g’scheid machen will. Wir brauchen noch eine Woche weil … usw.

Wem das bekannt vorkommt, der sitzt wahrscheinlich selbst in der Perfektions-Falle – übrigens ganz typisch für Designer. Seit es das Internet gibt, tun wir ja nichts anderes, als uns Arbeiten der besten Designer der Welt anzuschauen. Beim Anblick muss man sich für seine eigenen Werke ja beinahe schämen.

Noch dazu ist es uns ja irrsinnig wichtig, dass andere Designer unsere Arbeiten auch gut finden. Manchmal kommt es dann sogar vor, dass uns die Meinung unserer Kollegen mehr bedeutet, als die unserer Kunden. Im Eifer des Gefechts verwechseln wir Prioritäten mit Enthusiasmus, und diskutieren eine halbe Stunde lang darüber, ob die Linie jetzt 30% oder doch besser 25% grau sein soll.

Außerdem sind Perfektionisten die Leute, die jeden Tag bis 20 Uhr im Büro sitzen, und trotzdem nicht genug Geld verdienen, um die Miete zu bezahlen. Ist auch klar, denn wer Probleme löst, die keinen anderen interessieren, wird dafür natürlich nicht bezahlt.

Perfektion ist wie das Gift einer Schlange. Zuerst setzt die Lähmung ein, und wenn man nicht früh genug ein Gegenmittel bekommt, erwartet einen ein langsamer und qualvoller Tod. Da verzichte ich doch auf Perfektion, und schreibe einen Blog-Artikel wie diesen in 10 Minuten, statt in 3 Stunden. Perfekt ist er sicher nicht, aber wenigstens ist er fertig und kann gelesen werden.

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Bisher 4 Kommentare

  1. Tobias van Schneider10. Oktober 2011

    Hallo Stefan

    Ich kann dir hier leider nicht wirklich zustimmen, zumindest nicht ganz. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, welche Perfektion bzw. Qualität du genau meinst.

    Diese gibt es genauso in der technischen Umsetzung, der Funktionalität sowie des Designs. Ich gebe dir bei einem vollkommen Recht: Die beliebte „Instant Perfection“ ist etwas was viele dabei aufhält ein Projekt abzuschliessen, und wirkt sich oft negativ auf das Projekt aus.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist eine Einstellungssache, wie du arbeiten möchtest.

    1. Wenn du glaubst dass Perfektion, egal ob technisch oder optisch nicht zu deinen Stärken gehören soll, oder es nicht den „kleinen aber feinen Unterschied“ zu anderen macht, dann ist das vollkommen in Ordnung.

    2. Du hat Recht, Arbeiten von anderen Designern anzuschauen ist gerade in diesen Zeiten unglaublich gefährlich, da unsere Anforderungen an uns selber immer Höher und Höher werden und wir uns mit nichts mehr zufrieden geben. Hier geht es lediglich darum damit umzugehen, trotzdem ist es was gutes nach Perfektion und guter Qualität zu streben.

    3. Ich lege sehr viel Wert auf die Meinung anderer Designer, nur das lässt mich immer mehr wachsen und besser werden. Ob ich auf jedes Feedback detailliert eingehe, ist wiederum eine andere Frage.

    4. Perfektion & Qualität ist eine Einstellung. Daraus entstehen Marken & Erfahrungen, und man definiert dadurch seine Produkte & Dienstleistungen.

    Um es kurz zusammenzufassen; Ich halte die Aussage: “ Ich sage, hör auf ein Perfektionist zu sein…“ für komplett übertrieben, und absolut nicht aussagekräftig, mal abgesehen dass sie von mehr Unwissen zeugt als sonst irgendwas, zumindest auf alle anderen Bereiche betrachtet. Sollte in eurer Sparte Qualität & Perfektion keine Rolle spielen, ist das absolut legitim.

    Ausserdem die Aussage: „Perfekt ist er sicher nicht, aber wenigstens ist er fertig und kann gelesen werden.“ funktioniert auch nur hier.

    Liebe Grüße Tobias

  2. Stefan10. Oktober 2011

    Hallo Tobias,

    erstmal danke für dein Kommentar. Die Tatsache, dass du anders denkst als ich, ist sehr erfrischend und hilft mir dabei, mir etwas tiefergehende Gedanken zu machen.

    1. Ich finde, dass Perfektion zu meinen Schwächen gehört (hat). Im Gespräch mit einem Grazer Motion-Designer bin ich auf den Begriff des Verschlechtbesserns gestoßen, und hab mich darin selbst wiedergefunden. Es geht darum, 80% seiner Zeit, mit den letzten 20% der Arbeit zu verbringen. Das Problem dabei ist aber, dass man oft gar nichts mehr verbessert, sondern nur noch herumarbeitet, um seine Arbeit ja nicht herzeigen zu müssen, oder wenn man sie jemandem zeigt, immer dazu sagen zu können, dass es noch nicht perfekt ist. In dem Fall ist das Streben nach Perfektion eine Ausrede, die wie ich finde, überflüssig ist.
    2. Absolut richtig. Es gilt nur wieder aufzupassen, dass aus dem Streben nach Perfektion keine Ausrede wird, um seine Arbeit nicht veröffentlichen zu müssen.
    3. Da hast du natürlich recht. Ich kann auch nur von mir selbst sprechen, aber ich kann mich an viele Stunden erinnern, in denen ich mit anderen Designern über Dinge diskutiert habe, die von „normalen“ Menschen gar nicht gesehen werden. Und meistens entwickelt man ja etwas für „normale“ Menschen, und nicht für andere Designer – ich mache das zumindest.
    4. Richtig

    Bei unserer Arbeit kommt es auf User-Feedback an, oder anders formuliert, hat es keinerlei Bedeutung, wie wir unsere Arbeit selbst finden. Alles was zählt ist, wie andere Leute unsere Arbeit finden – die Leute, die damit arbeiten müssen.

    Ja, und Perfektion ist vor allem deshalb eine Ausrede, weil sie nie erreicht wird. Ein Beispiel: Als das iPad 2 auf den Markt gekommen ist, hat man erst gesehen, dass das erste iPad in Wahrheit nichts weiter als ein Prototyp war. Hätte Apple diesen Prototypen aber nicht veröffentlicht und keine echten User-Meinungen eingeholt, sondern wären noch ein Jahr im Labor geblieben, um ja alles perfekt zu machen, wäre das iPad 2 bei weitem nicht so gut geworden.

  3. Tobias van Schneider10. Oktober 2011

    Hallo Stefan

    Sorry für meine raue Antwort, ich versuche die Dinge nur schneller auf den Punkt zu bringen, in dem ich meine Formulierungen bewusst schärfer wähle.

    1. Gebe dir nun vollkommen Recht. Im Grunde ist Perfektion aber nichts schlechtes, und auch keine Ausrede, sondern wir sprechen lediglich darüber wer wie damit umgehen kann, oder auch nicht. In deinem beschriebenen Fall, ist die Perfektion natürlich ein Hindernis. Ausserdem ist der Grad der Perfektion immer von Projekt zu Projekt unterschiedlich, und immer abhängig von den jeweiligen Anforderungen.

    2. Yes

    3. Siehe Punkt 1

    Liebe Grüße Tobias

  4. Stefan10. Oktober 2011

    … ich versuche die Dinge nur schneller auf den Punkt zu bringen, in dem ich meine Formulierungen bewusst schärfer wähle.

    Das kenne ich ;)

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