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Flüstere wenn ich zuhören soll

von Stefan Rössler am 17. Oktober 2011

1 Kommentar von Martin Schlagnitweit

Beim Autofahren drehe ich das Radio immer leiser sobald die Werbung kommt. Ich mag es nicht so gerne wenn mir die Marketing-Abteilungen ins Ohr schreien, dass ich dringend neue Hosen brauche und sie gerade zufällig Aktionsangebote für Hosen anbieten. Außerdem befürchte ich, dass gleich wieder jemand losheult und verkündet, dass es Montag minus 10 Prozent beim Baumax gibt.

Im Internet dasselbe: Ich will einen Artikel auf derstandard.at lesen, und plötzlich überlagert eine Autowerbung den gesamten Bildschirm. In großen Buchstaben wird irgendeine Marketing-Botschaft verkündet – welche genau, weiß ich nicht mehr. Ich war damit beschäftigt, das X zu finden, mit dem ich die Werbung wegklicken konnte, und hatte gar keine Zeit, mich auf den Inhalt zu konzentrieren.

Irgendwie erinnert mich das auch an die Kindheit bzw. die Zeit als Jugendlicher. Immer wenn jemand anfing zu schreien, habe ich automatisch auf Durchzug geschalten. Manche kennen das vielleicht: Man kann sich noch erinnern, dass jemand herumgeschrien hat, war aber so damit beschäftigt, dieses Schreien auszublenden, dass man gar nicht mehr wusste, was eigentlich gesagt wurde. Hauptsache vorbei, dachte man sich nur.

Viele scheinen zu glauben, dass man die Lautesten, auch am besten hört. Das mag wohl logisch klingen, doch in Wahrheit geht es nicht um Lautstärke sondern um Aufmerksamkeit. Und in einer Welt, in der alle nur noch brüllen, fallen diejenigen, die flüstern, am meisten auf.

Dunkel erinnere ich mich dabei an die Zeit, als wir noch in Chatrooms unterwegs waren. Immer wenn jemand etwas in GROSSBUCHSTABEN verkündete, hat man das ausgeblendet. Ich meine, es war schon noch da, aber es war so etwas wie Müll, den man auf keinen Fall durchwühlen würde. Anders war es mit Nachrichten, die geflüstert wurden. Diese Nachrichten zogen sofort die gesamte Aufmerksamkeit auf sich, selbst wenn rund um sie andere Nachrichten waren und animierte Werbebanner die gesamte Seite umrahmten.

Ich denke es ist gerade die perfekte Zeit um zu flüstern. Rund um uns klingeln Mobiltelefone und von animierten Werbetafeln blitzen belanglose Angebote. Alle scheinen dem Wahn verfallen zu sein, dass wenn sie nur laut genug brüllen würden, sie damit unsere Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnten. Ich kann vielleicht nur für mich sprechen, aber wenn jemand will, dass ich zuhöre, dann sollte er aufhören zu schreien und anfangen zu flüstern.

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Bisher 1 Kommentar

  1. Martin Schlagnitweit18. Oktober 2011

    Ich kann dem nur zustimmen.

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