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Das Schlauste was wir je gemacht haben

von Stefan Rössler am 10. Oktober 2011

4 Kommentare zuletzt von Kristina

Vor einer Woche haben wir uns mit Tom von A38 unterhalten. Gesprächsthema Nummer Eins war, wie könnte es auch anders sein, die Arbeit als selbstständiger Designer. Eine Geschichte die mir seit dem nicht mehr aus dem Kopf geht, ist jene, die Markus als das Schlauste was wir je gemacht haben, bezeichnet hat. Tom war davon so beigeistert, dass ich mir dachte, es könnte vielleicht auch andere interessieren.

Einige Monate nachdem wir unser Unternehmen offiziel gegründet hatten, kamen wir auf das Thema Geld zu sprechen. Genaugenommen haben wir darüber nachgedacht, wie wir die Abrechnung unserer Projekte machen, und wer von uns eigentlich wie viel Geld bekommet.

Bis dahin haben wir projektbezogen abgerechnet. Das heißt jeder der an einem Projekt beteiligt war, hat seinen Teil des Projektbudgets bekommen. Teilweise hatten wir unsere Stunden mitgeschrieben, und konnten dadurch eine recht genaue und faire Abrechnung machen.

Ein Beispiel: Markus und ich arbeiten zu zweit an einer Design-Recherche für ein größeres Software-Unternehmen. Das Gesamtbudget des Projekts beläuft sich auf € 18.000,–. Am Ende des Projekts hat Markus halb so viele Stunden gearbeitet wie ich. Daraus ergibt sich, dass Markus € 6.000,– bekommt und ich € 12.000,–.

Was wird bezahlt: Fleiß oder Leistung?

Fairer geht’s wohl kaum. Oder? Das mag auf den ersten Blick so scheinen, in Wahrheit ist diese Form der Abrechnung aber ungerecht. Warum? Weil Fleiß belohnt wird, nicht aber Leistung. Nur weil jemand doppelt so lange an Etwas arbeitet wie ein anderer, heißt das noch lange nicht, dass er auch doppelt so viel geleistet hat.

Um das Beispiel fortzuführen: Andi und Mathias haben in der Zwischenzeit an zwei kleineren Projekten mit je € 4.500,– Budget gearbeitet. Nehmen wir an, das alles wäre innerhalb von 3 Monaten passiert, dann würde sich daraus folgende monatliche Abrechnung ergeben:

  • Andi und Mathias: je € 1.500,– pro Monat
  • Markus: € 2.000,– pro Monat
  • Ich: € 4.000,– pro Monat

So aufgeschlüsselt sieht man, dass diese Form der Abrechnung nicht fair ist. Ich würde sogar sagen, dass eine projektbezogene Abrechnung gar nie fair sein kann. Aber warum ist das so?

Wofür würdet ihr euch entscheiden?

Nehmen wir an, dass im nächsten Monat zwei neue Projekte anstehen. Ein Projekt hat ein Budget von € 20.000,– und das andere von € 2.000,– Stellt euch vor, ihr müsstet euch entscheiden, bei welchem Projekt ihr mitarbeiten möchtet. Für welches Projekt würdet ihr euch entscheiden?

Dasselbe haben wir uns auch gedacht, und deshalb haben wir uns eine bessere Lösung überlegt: Was wäre wenn wir das ganze Geld nehmen und in einen Topf werfen. Und jetzt kommt’s. Wir teilen einfach alles durch vier! Jeder bekommt genau 25%. Das alles natürlich unabhänig von Arbeitsaufwand, ja sogar unabhängig von Arbeitsleistung.

Und genau das haben wir dann auch gemacht. Ich kann nur sagen, es hat Monate gegeben, in denen Andi und Mathias meine Miete bezahlt haben, es gab aber auch Projekte in denen ich die Verantwortung übernommen habe, und Arbeit von den anderen ferngehalten habe. Warum? Weil wir eine Art des Zusammenarbeitens gefunden haben, in der Motivation und persönliches Interesse im Vordergrund stehen, und Geld nichts weiter ist, als eine Zahl auf unseren Kontoauszügen.

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Bisher 5 Kommentare

  1. Mathias10. Oktober 2011

    Ich möchte noch Folgendes einwerfen:

    Wie sieht es mit Projekten aus die niemand bezahlt? Also Projekte wie „Touch Me“ die aus reinem Interesse und ohne externen Auftrag entstehen?

    Würden wir wie üblich abrechnen, müsste man solche Projekte rein in seiner Freizeit erledigen. Denn um zu überleben, muss man natürlich trotzdem an Projekten mitarbeiten die auch Geld bringen.

    Mit unserer Methode der Abrechnung konnte ich mich während der Arbeitszeit vollkommen auf die Entwicklung von „Touch Me“ konzentrieren und musste keine Angst haben, im nächsten Monat unter der Brücke zu schlafen. Gleichzeitig bringt ein solches Projekt, das ansonsten in gewisser Weise verhindert bzw. nicht gefördert wird, unserer Firma natürlich so viel mehr als ein normales Kundenprojekt.

    Das Schlauste was wir je gemacht haben!

  2. Tobias van Schneider11. Oktober 2011

    „Gesprächsthema Nummer Eins war, wie könnte es auch anders sein, die Arbeit als selbstständiger Designer.“

    Immer diese Leute die sich als Designer bezeichnen…tztz =p

  3. Stefan11. Oktober 2011

    In einer City of Design darf sich jeder als Designer bezeichnen, der ein Macbook hat ;)

  4. Kristina11. Oktober 2011

    Da bin ich ganz eurer Meinung! Die „Topfabrechnung“ ist wirklich die beste Möglichkeit der fairen Abrechnung… wir machen das seit unserer Gründung genauso… außerdem erspart man sich die ganze Rechnerei… alles durch 2 geht grad noch :-)

  5. Pingback Godot kommt heute nicht mehr | Simplease Blog11. Oktober 2011

    […] ist noch etwas eingefallen, das von Anfang an, einen starken Einfluss auf unsere Arbeit hatte: Es war die […]

Du hast eine Meinung dazu? Wir freuen uns :)

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