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Das neue iCal ist ein Schritt zurück

von Stefan Rössler am 9. August 2011

Andi hat mir heute das neue iCal gezeigt und erklärt, was ihn daran stört. Kurz gesagt: Aus einem erstklassigen Werkzeug, um seine Aktivitäten zu planen, wurde ein digitaler Kalender, mit allen Einschränkungen seines analogen Vorbilds.

© by Apple

Apple scheint zu glauben, dass es beim Planen darum geht, durch einen Kalender zu blättern. Genauso fühlt es sich nämlich an, das neue iCal zu verwenden. Es kommt zu Animationen, die teilweise so lange dauern, dass man mit dem Klicken warten muss, wenn man ein paar Monate in die Zukunft blicken will. Genau wie mit einem echten Kalender muss man Blatt für Blatt wenden.

Metaphern sind nicht immer gut

Die Vorstellung, Metaphern wären eine solide Grundlage für User-Interface Design, ist irreführend. Es ist, als würde man Floppy Disks verehren, weil früher eine Menge guter Software darauf rauskam. Metaphern haben viele Einschränkungen, wenn man sie auf die modernen Systeme eines Informations-Zeitalters anwendet. Alan Cooper

Alan Cooper erklärt in seinem Buch About Face 3, warum Metaphern keine Grundlage für ein gutes User-Interface sind. Er spricht davon, dass die vielen Einschränkungen der echten Welt nicht für digitale Systeme gelten würden. Nur, weil man einen echten Kalender durchblättern muss, heißt das nicht, dass das bei einer Software, die für dieselben Aufgaben verwendet wird, auch so sein soll.

Es muss nicht „echt“ aussehen

Natürlich gibt es auch eine Gegenmeinung. Manche Designer glauben, dass es besonders wichtig wäre, dass Interfaces „echt“ aussehen. So werden Schlagschatten geworfen und Texturen eingesetzt, ohne zu merken, dass man mit dem Aussehen eines echten Objekts auch dessen Schwächen imitiert. Und nur, weil echte Kalender nach Monaten eingeteilt sind, heißt das nicht, dass man bei jedem digitalen Kalender dieselbe Einteilung verwenden soll.

Ein Beispiel für eine andere Verwendung ist die Kalender-Ansicht, die wir für das Service-Tool vom Fitstore24 – Bikepalast Kohl entworfen haben. Die Mitarbeiter verwenden den Kalender, wenn ein Kunde anruft, um einen Service-Termin zu vereinbaren. In den Interviews mit den Mitarbeitern haben wir gelernt, wie diese Gespräche mit Kunden typischerweise ablaufen, und sind zu dieser Lösung gekommen:

Unser Kalender zeigt immer die aktuelle Woche plus 3 weitere Wochen, dargestellt in Reihen. Dadurch sieht der Mitarbeiter ca. die nächsten 15 freien Termine. Hätten wir einen „echten“ Kalender einfach simuliert, müsste der Mitarbeiter erst auf einen Button klicken, um diese freien Termine zu sehen, weil sie nicht mehr im selben Monat liegen. Für das Ziel des Mitarbeiters, die nächsten freien Termine zu sehen, wäre die klassische Ansicht also keine große Hilfe.

Wir haben unser Design bereits getestet und gesehen, dass die Mitarbeiter ohne Probleme erkennen, wann ein neues Monat beginnt. Möglich war diese Lösung nur, weil wir uns nicht auf Metaphern verlassen haben. Hätten wir gleich zu Beginn den Kalender so aussehen lassen wie einen echten Kalender, wären wir niemals auf diese Lösung gekommen. Wir hätten nur versucht, einen echten Kalender so gut wie möglich nachzumachen und hätten etwas entwickelt, das vielleicht gut aussieht, aber nicht gut genug funktioniert.

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