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Teezeit

von Markus Pirker am 6. April 2011

Montag morgen und Halsweh. Um diesem eher subobtimalen Start in die Woche seinen Schrecken zu nehmen, beschließe ich den Tag mit einem Tee zu beginnen. Gesagt getan, Wasserkocher aufgestellt und die Wartezeit mit dem Säubern meines E-Mail Postfaches verbracht. Gedankenverloren schütte ich schließlich das heiße Wasser über den besagten Teebeutel. Ein schneller Blick auf die Verpackung liefert mir die Information zur Ziehzeit. „5-10 Minuten“ höre ich mich innerlich repetieren.

Der Tee findet seinen Weg auf meinen Schreibtisch und verliert durch den Blick auf den Monitor rasch an Aufmerksamkeit. Fünf Minuten und zwei beantwortete Mails später beginnt in mir die Frucht der Ungewissheit zu keimen. Waren es 5 oder 10 Minuten Ziehzeit? Schlechte Erinnerungen werden in mir wach, an die zahllosen, im heissem Wasser der Tasse, vergessenen Teebeutel. 20 Minuten und mehr in Ungewissheit dahinsichend, zwecklos und unbenutzt. Diesmal passiert mir das nicht, denke ich und beginne mit der Hinweissuche.

Die Verpackung befindet sich natürlich schon längst im Papiermüll, einzige Anlaufstelle für Informationen ist daher das an der Schnur angebrachte Etikett. Leider findet sich darauf lediglich das Logo des Herstellers und keine Informationen zur Ziehzeit.

Wenn man die Interaktion mit dem Teebeutel nach Interfacedesign-Richtlinien misst, wird hierbei etwas deutlich. Die Verpackung des Teebeutels liefert zwar die benötigte Information zu Ziehzeit. Der Teetrinker wendet sich aber in den meisten Fällen gleich dannach einer anderen Aktivität zu, da das betrachten des ziehenden Teebeutels von nicht sonderlich großem Unterhaltungswert begleitet ist. Die Information wird in der Zwischenzeit aus dem Kurzzeitgedächnis gelöscht und ist zu dem Zeitpunkt, da sie wirklich benötigt wird nicht mehr verfügbar. Die Verpackung des Teebeutels befindet sich bereits im Müll außer Reichweite.

„Best explanations are to explain usage in contex.“ Donald Norman

Laut Norman sollte ein Interface die benötigten Informationen immer zu der Zeit liefern, zu der sie vom Benutzer auch gebraucht werden. Praktische Beispiele dafür sind nützliche Inline-Validierungen beim Ausfüllen von Formularen oder Bedienflächen, die sich erst aktivieren, wenn der Benutzer sich mit dem Mauszeiger in der Nähe davon befindet. Das Online-Projektmanagement Basecamp blendet beispielsweise Editierfunktionen erst dann ein, wenn sich der Benutzer mit der Maus in der Nähe davon befindet. Die Schaltflächen werden somit dann angezeigt, wenn der Benutzer gerne mit dem betreffenden Listenelement interagieren möchte und stören nicht als visuelles Rauschen wenn sie nicht benötigt werden.

Doch nun zurück zum Tee. Dieser ist nämlich inzwischen kalt geworden, der Beutel treibt seit insgesamt 20 Minuten im Wasser. Daran hätte wahrscheinlich auch ein Etikett mit der Ziehzeit nichts geändert.

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