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Evaluierung der Webseite von LEAD Innovation

von Stefan Rössler am 14. April 2010

Inhalt spricht die Sprache des Benutzers

Die Webseite lead-innovation.com spricht die Zielgruppe nicht direkt an. Eine Überschrift auf der Startseite lautet beispielsweise „Wir steigern die Innovationsleistung von Unternehmen“. Es wird von „klassischen Herausforderungen“ gesprochen, nicht von „Ihren Herausforderungen“. Schnell wird klar, dass der Inhalt in einem eher neutralen Stil geschrieben ist.

Ein Beispiel dafür, wie sich LEAD selbst beschreibt:

Stetige Kompetenz- und Branchenerweiterung versetzte das Dienstleistungsunternehmen in die Lage, heute in sehr vielen Branchen und Themen über ein Netzwerk zu verfügen, das Ideen und in weiterer Folge Innovationen in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Auftraggeber kreiert.

Die drei Ideen, die in diesem überlangen Satz beschrieben werden, hätte man auch einfacher kommunizieren können:

Wir erweitern stetig unsere Kompetenzen in immer neuen Bereichen. Heute verfügen wir bereits über ein branchen- und themenübergreifendes Netzwerk, das unseren Auftraggebern Ideen liefert und gemeinsam mit ihnen Innovationen kreiert.

Folgende zwei Sätze sind der erste Versuch, die LEAD User Methode zu erläutern:

Bei diesem Ansatz werden einerseits die Ideen von fortschrittlichen Nutzern aus dem Zielmarkt (= LEAD Usern), und andererseits von Experten aus analogen Bereichen in den Prozess der Ideen- und Lösungsgenerierung integriert – ganz im Sinne der Open Innovation also. Der analoge Bereich setzt sich aus problem- und lösungsverwandten Branchen zusammen, welche aber nicht in direkter Konkurrenz zu unseren Klienten stehen.

Es scheint beinahe so, als wären diese Informationen eine Kombination aus Lehrbuch und Marketing-Jargon.

Die Methoden von LEAD lassen sich in Strategie, Organisation und Umsetzung einteilen. In diesen Bereichen finden sich verschiedene Schlagwörter, deren Namen fast ausschließlich mit der Bezeichnung „LEAD“ beginnt. Also LEAD Roadmap, LEAD Searchfield, LEAD Portfolio, LEAD Szenario, LEAD_Proof of Concept, LEAD_Products, LEAD User Methode …

Durch die gesamte Webseite wird öfters auf den wissenschaftlichen Hintergrund der LEAD User Methode verwiesen. LEAD ist sehr bemüht darum, seriös und wissenschaftlich fundiert rüberzukommen. Während das auch sehr gut gelingt – vor allem in Kombination mit dem schlichten und seriösen Erscheinungsbild der Webseite (Abb. 1) –, werden die potentiellen Kunden NIE persönlich angesprochen. Die Texte sind wissenschaftlich und teilweise sehr nüchtern und sprechen stets von „unseren Auftraggebern“ oder von „Unternehmen“, nie jedoch von „Sie“ oder „Ihr Unternehmen“. Diese Form der Sprache richtet sich eher an Menschen, die einen starken theoretischen Hintergrund haben, nicht jedoch an kleine oder mittlere Betriebe, welche ja auch nicht Teil der Zielgruppe sind. Der Schreibstil erinnert sehr an den der aktuellen ISN-Webseite und kann zusammenfassend als wissenschaftlich und theoretisch bezeichnet werden.

Screenshot der Startseite von LEAD Innovation Management

Gut strukturiert und gegliedert. Hauptaugenmerk liegt klar auf dem Landkarten-Sujet.

Effektives Informationsdesign

Eines gleich vorweg: Es gibt nicht sehr viel Inhalt. Der Inhalt der da ist, ist allerdings sehr gelungen dargestellt. Auf der Startseite wechseln sich verschiedene Sujets von LEAD Usern zufällig ab. Neben einem Foto steht noch der Name und eine kurze Beschreibung der Person. Darunter finden sich die letzten drei Newseinträge je mit Bild und Kurzbeschreibung abgebildet. Im Moment wird gerade ein Event namens „Lead Road Shop“ präsentiert (Abb. 2).

Screenshot der LEAD Roadshow

Die LEAD Roadshow ist ein Event mit Innovantionsthemen. Online-Anmeldung ist möglich.

Die restlichen Texte der Webseite sind etwas langatmig verfasst und erinnern eher an den Inhalt eines Info-Folders. Für das Medium Internet hätte man hier noch einiges machen können. Die für scannbare Webseiten typischen Aufzählungen finden sich nur äußerst selten. Wichtige Informationen sind oft in – wie zuvor erwähnt – recht wissenschaftlich formulierten, langen Texten versteckt. Das erfordert vom Besucher, ein konzentriertes Durchlesen der Texte.

Was die Hierarchie der einzelnen Textelemente betrifft, so kann diese als schwach ausgeprägt bezeichnet werden. Lediglich die Hauptüberschriften, welche gleichzeitig die Bereichsnamen sind, sind in einem größeren Schriftgrad dargestellt. Der restliche Text ist durchwegs in 13 Pixel-Schrift gesetzt. Ausgezeichnet wird durch Farbe (rot) für Überschriften und durch einen fetten Schnitt für wichtige Informationen (Abb. 3). Die einzigen Grafiken die sich auf lead-innovation.com finden, sind Fotos des Teams, Fotos der LEAD User und die unzähligen Logos der Referenz-Kunden.

Screenshot der typografischen Hierarchie

Der typografischen Hierarchie wurde weniger Bedeutung beigemessen.

Informationsfindung

Wie zuvor erwähnt, gibt es nicht allzu viele Informationen auf der Webseite, was wohl der Grund dafür war, dass keine Suchfunktion implementiert wurde. Der gesamte Inhalt teilt sich in die drei Bereiche „Unternehmen“, „Methoden“ und „Referenzen“. Diese drei Bereiche stellen gleichzeitig die Navigation auf 1. Ebene dar und bilden somit das Hauptmenü. In jedem dieser drei Bereiche findet sich eine Navigation 2. Ebene. Sämtliche Informationen können nur mit Hilfe des Haupt- bzw. Untermenüs gefunden werden. Die Bezeichnungen der einzelnen Menüpunkte sind hierbei aber sehr gut gewählt, so dass man vor dem Klick auf einen Menüpunkt gut einschätzen kann, was sich dahinter verbergen wird (Abb. 4).

Screenshot der Hauptnavigation

Die 3 Bereiche geben einen guten Überblick über die Webseite.

Das Layout der Webseite ist einfach und klar strukturiert. Hinsichtlich Gestaltung wurden keine Experimente versucht – die Seite macht einen ordentlichen Eindruck. Wie zuvor erwähnt, gibt es keine Grafiken oder Bilder, die etwa die Arbeitsweise des Unternehmens veranschaulichen. Alle Informationen sind rein textuell, was eine ernstzunehmende Beurteilung des Layouts unmöglich macht, weil jede Seite lediglich mit Text aufgefüllt wird. Die Kapitel sind leicht zu erkennen und am Ende jedes Bereichs, gibt es einen Link in den nächsten Bereich, was das lineare „Durchlesen“ der gesamten Webseite zwar unterstützt, aber nicht den Gewohnheiten von Online-Lesern entspricht, die eher im Schnellflug nach, für sie relevanten Informationen suchen.

Konsistenz

Inhalt und Layout der Webseite sind zu jedem Zeitpunkt konsistent. Das erleichtert das Zurechtfinden ungemein, wirkt aber nach längerem Verweilen etwas monoton. Man kann ziemlich klar erkennen, dass der/die Webdesigner ihr Handwerk verstanden haben. Die Seite ist klar strukturiert und optisch ansprechend gestaltet. Gleichzeitig merkt man aber, dass die Inhalte nicht für das Web optimiert wurden. Die Länge der Texte ist weniger das Problem, als der fehlende Anreiz sie zu lesen. Es gibt keine Einstiegspunkte in die Webseite. Keine typografische Hierarchie, kein Einsatz von Illustrationen und erklärenden Bildern. Die einzige Case Study, die sich auf der Webseite findet, beinhaltet etwa Textpassagen, die einfach aus einem anderen Bereich der Seite kopiert wurden. Dazu werden vier Fotos am Ende des Texts angezeigt (Abb. 5).

Screenshot einer Case Study von LEAD

Bevor man die Bilder am Ende der Seite sehen kann, muss man erst scrollen.

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