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Im Simplease-Blog schreiben wir über Design, Web-Entwicklung und unser Leben als Selbstständige.

Evaluierung der Webseite von W&A

von Markus Pirker am 14. April 2010

Im Zuge einer größeren Umfeldrecherche für Kunden haben wir österreichische Websites angesehen, welche sich mit dem Thema Innovation auseinandersetzen. Ein Unternehmen, welches selbst Innovationsberatung und Ideenentwicklung anbietet, ist die W&A Innovation Consulting KG mit Sitz in Wien. Wir haben die Website des Unternehmens im Hinblick auf die Grundregeln des User zentrierten Designs überprüft.

Unsere Beurteilungskriterien

Inhalt spricht die Sprache des Benutzers

  • Der Inhalt muss die Sprache des Benutzers sprechen.
  • Wörter und Phrasen sollten dem Benutzer bekannt und verständlich sein.
  • Der Inhalt sollte neutral und logisch angeordnet sein.

Effektives Informations Design

  • Sind Grafiken, Tabellen und Listen einfach zu „scannen“ und lesen?
  • Unnötige Grafiken sollten vermieden werden.
  • Das Format des Inhalts sollte für das Medium passend sein.

Informationsfindung

  • Wie wird Information auf der Seite gefunden?
  • Welche Wege gibt es Informationen zu finden?
  • Das Layout das scannen durch den Benutzer unterstützen.
  • Kapitel und andere wichtige Teile müssen leicht erkennbar sein.

Konsistenz

  • Verschiedene Teile des Inhalts müssen in deren Struktur und deren Wortlaut konsistent sein.
  • Die Informationen anderer Bereiche sollten sich nicht überlappen.

Weitere Beurteilungskriterien

Inhalt spricht die Sprache des Benutzers

W&A Innovation Consulting KG sieht sich selbst als „eine Ideenschmiede, die auf Projekte zur Entwicklung innovativer Ideen, also die frühe Innovationsphase spezialisiert ist“.

Startseite

Startseite

Die zwei Schlagworte Innovationsberatung und Ideenentwicklung, begleiten das Logo im Header des Unternehmens auf der gesamten Webpräsenz. Der Begriff Ideenentwicklung wird bereits auf der Startseite kurz unter der Überschrift Ideen kaufen erklärt. Ein Link zu weiteren Informationen offenbart einen 5-stufigen Prozess, welcher auch grafisch gut gestaltet ist und listet nochmals die verschiedenen Anwendungsgebiete auf. Die Länge der vorhandenen Texte ist gut gewählt, die Sätze sind kurz, prägnant und beinhalten wenige Nebensätze. Einzelne Tippfehler (Dimplomarbeiten, Inernetplattform) lassen sich durch sinnvolle Textgliederung in gut skimmbare Absätze und Listen verzeihen.

W&A kommt in den Erklärungen des Arbeitsprozesses und der Leistung gänzlich ohne Fachsimpelei aus. Begriffe wie Bottom-Up Prozess oder Wertschöpfungskette sind, wenn man aus den Referenzen auf die Zielgruppe des Unternehmens schließen kann, im täglichen Sprachgebrauch der Nutzer bereits vorhanden. Ein eigener Bereich mit Frequently Asked Questions gibt Antwort auf (berechtigte) Fragen und führt auch gleich auf ein Kontaktformular. Die Texte sind durchgehend in deutscher Sprache verfasst, lediglich der Menüpunkt „company“ verwirrt etwas durch die englische Schreibweise. Ziel war hierbei möglicherweise englischsprachige Benutzer zum Download der in englisch gehaltenen company presentation zu bewegen.

W&A - Hauptnavigation

W&A - Hauptnavigation“

Verwirrung schaffen auch die Bezeichnungen der Menüpunkte unter der Rubrik Feuilleton welche einen Blog beherbergt. Warum dieser in der Navigation auch nicht als „Blog“ bezeichnet wird sondern die analoge Bezeichnung „Feuilleton“ trägt ist unklar. „Chronik“ bezeichnet die Firmennews, hinter „Offene Augen“ steckt eine Bildergalerie. Extrem äußert sich das Bedürfnis zur Sprachkunst beim Menüpunkt „Wundawear“. Hier werden über einen sehr rudimentär eingebundenen Online-Shop T-Shirts mit dem Firmensujet angeboten. Ob dieses sprachliche Konstrukt von einem Interessenten als Shop identifiziert wird ist sehr fraglich.

W&A Wunderwear

Stilblüte in der Navigation: "Wunderwear"

Effektives Informationsdesign

Startseite

Eine Diashow ist das einzige animierte Element auf der Seite. Einen Bezug von Bildmaterial zu Unternehmen lässt sich oft nur nach eingehender Überlegung feststellen. Die Diashow, sowie der Schriftzug „Mit offenen Augen durch die Welt“ verlinkt auf eine weitere Unterseite mit einer Bildergalerie. Hier werden Schnappschüsse von humorvollen Statements begleitet.

Das Raster-lastige Layout der Startseite erweckt eher den Eindruck der Online-Präsenz einer Tageszeitung als eines Consulting Unternehmens. Die Verbindung der News mit aktuellem Datum sowie die spaltenweise Darstellung von „Artikeln“ macht eine Trennung von Nachrichten, Zitaten und (teils humorvollen) Beiträgen und den tatsächlichen Leistungen des Unternehmens schwer. Desweiteren erweckt diese Darstellungsart bei einzelnen Artikeln oft mehr die Assoziation einer Werbeeinblendung als wirklich relevanten Inhalt. Schwächen im Rastersystem durch ungenaue Ausrichtung von Elementen erschweren die Trennung von Inhalten noch zusätzlich.

W&A - Fehler im Rastersystem

Inkonsistenzen im Rastersystem durch ungenaue Ausrichtung

Ein Link zu Referenzen liegt als letztes Element unter dem Pagefold und ist somit ohne Scrollen nicht zu erreichen. Es ensteht der Eindruck als würde W&A eher mit möglichst breit gefächertem Inhalt unterhalten, als von den eigenen Leistungen überzeugen wollen.

Dies untermauert auch ein eigener „Feuilleton“ Bereich in der Navigation, welcher als einziger optisch hervorgehoben ist. Seltsamerweise verlinkt dieser Bereich auf eine Seite, welche der Optik der Startseite entspricht und sich lediglich durch eine Handvoll andere Artikel von ihr abhebt.

W&A - Feuilleton

Der Feuilleton Menüpunkt ist als einziger grafisch hervorgehoben

Dem Begriff „Feuilleton“ steht jedoch die Unregelmäßigkeit der Aktualisierungen auf der Seite gegenüber, wenn man dies an den einzelnen Newseinträgen misst. Bis zu neun Monate zwischen den einzelnen Einträgen sind hier teilweise vergangen.

Navigation

Die Navigation befindet an relativ untypischer Stelle rechts, auf einer Ebene mit dem Inhaltsbereich. Durch die Positionierung weit unter Logo (welches der Konvention entsprechend auf die Startseite verlinkt ist), Claim und Diashow gerät dieses zentrale Element stark in den Hintergrund.

Hover sowie Active States der einzelnen Navigationspunkte sind vorhanden. Ein Klick auf einen Menüpunkt offenbart ein Untermenü als Dropdown, welches vorher nicht ersichtlich war. Etwas irreführend ist dieses Verhalten, bei „Innovationsberatung und Ideenentwicklung“, da hierbei bei Klick gleich der Menüpunkt  „Ideenentwicklung“ selektiert wird und nicht, der Reihenfolge der Aufzählung entsprechend „Innovationsberatung“.

Zusätzlich zum Untermenü zweiter Ebene beherbergen manche Seiten ein Menü dritter Ebene, welches durch die Positionierung unter dem Logo deutlich mehr Wertigkeit erhält als die Hauptnavigation (company, Innovationsberatung & Ideenentwicklung etc.)

Desweiteren ist durch die Gestaltung in anderer Farbgebung kein direkter Bezug zur Hauptnavigation ersichtlich. Das nächste Problem dieser Darstellung offenbart sich bei vielen Elementen, beispielsweise im Bereich „Projekte“. Die unzulängliche Trennung von einzelnen Menüpunkten lediglich durch etwas Abstand vor gleichem Hintergrund verlangsamt die Wahrnehmung enorm und ermüdet.

W&A Unternavigation

Unternavigation erlaubt durch gleichen Hintergrund schwere optische Trennung der einzelnen Elemente

Informationsfindung

Als potentieller Nutzer einer Corporate Seite ist man vor allem an der Leistung und Arbeitsweise des Unternehmens sowie Referenzen interessiert. Auf einer solchen Seite steht Überzeugung durch Glaubwürdigkeit und Expertenwissen im Vordergrund.

W&A platziert als wichtigstes Element auf der Startseite eine Bildershow, welche auf eine weitere Bildergalerie mit humorvollen Statements verlinkt. Keine Leistungsbeschreibung, kein Expertenwissen, hier versucht man einen humorvollen Zugang zum Thema „Innovation“ zu finden. Ob sich ein Geschäftsführer, welcher interessiert ist Methodiken der Ideenentwicklung auf sein Unternehmen anzuwenden damit zufrieden stellen lässt bleibt fraglich.

Viel Aufmerksamkeit durch Größe, Farbe und umgebenden Weißraum erhält auch der Satz „Wir arbeiten“.

W&A vermittelt damit recht deutlich das in diesem Unternehmen wirklich gearbeitet wird, ein Rollover des Textes verkündet auch woran. Leider sind die gelisteten Beispiele zu wage und unpräzise um überzeugen zu können.

„In Eigenregie entwickeln wir gerade ein Produkt im Umfeld der Büroinfrastruktur.“

W&A - Projekte

Die aufgelisteten Beispiele unter "wir arbeiten" sind durch die oberflächliche Formulierung relativ uninteressant

Elemente, die Leistungen von W&A beschreiben finden sich erst neben zahlreichen anderen Elementen im Hauptbereich der Seite und liegen großteils unter dem Pagefold. 80% der Nutzer nehmen lediglich Elemente über dem Pagefold in ausreichender Qualität wahr.

W&A Pagefold

Hervorgehobene Elemente stellen Links zum Leistungsangebot des Unternehmens dar. Diese liegen zu ¾ unter dem Pagefold und werden ohne Scrollen nicht wahrgenommen.

Auch ein Vergleich mit dem Google Browser Size Tool bestätigt die Vermutung, dass lediglich der Bereich „Ideen kaufen“ für das Unternehmen gut plaziert ist. Der Link zu den Referenzen wird von weniger als 9% beim Seitenaufruf ohne Scrollen wahrgenommen.

Google Browser Size Test von W&A

Google Browser Size Test von W&A. Lediglich der Bereich „Ideen kaufen“ liegt zu 90% über dem Pagefold.

Hat der Benutzer es jedoch einmal in den Bereich „Innovationsberatung & Ideenentwicklung“ geschafft, wartet hier gut aufbereiteter Inhalt zum Arbeitsprozess und den Leistungen. Vertrauen schafft hierbei eine schematische Darstellung des Projektablaufs. Hier wurde an den potentiellen Kunden gedacht, Phasen in denen Teilnahme des Kunden benötigt werden sind auch dementsprechend gekennzeichnet - hilfreich.

Die Statements im Bereich „Danach“ wirken durch Aussagen wie „Ausgezeichnet!“ oder „Das ist ja höchst interessant“ willkürlich und flach. Eine Quelle zu den Zitaten ist nicht vorhanden.

Vertrauen kann am ehesten noch der überlegte „Frequently Asked Question“ Bereich aufbauen.

Referenzen sind im Menüpunkt „Projekte“ angeführt. Hier fehlt ein Bezug zum Unternehmen und überzeugende Case Studies. Stattdessen findet man schwammige Projektbeschreibungen wie:

„W&A wurde beauftragt, eine Idee, die bei einem Unternehmen in groben Zügen vorliegt, im Detail zu konzipieren und in der Folge eine Evaluierung durchzuführen, welche die Grundlage für eine Go-/No Go Entscheidung der Geschäftsführung darstellt.“

Große Namen von Kunden wie Bank Austria, Roche oder  Siemens müssten sich eigentlich nicht in dritter Ebene verstecken und könnten allein durch den Bekanntheitsgrad viel Überzeugungsarbeit leisten. Diese sind jedoch in einem tiefen Untermenü der Seite platziert worden.

W&A Kunden

Die Kundenliste kann durchaus überzeugen und müsste sich nicht so tief in der Navigationsstruktur verstecken

Überzeugte Kunden können über ein eigenes Kontaktformular oder die ausgewiesene E-Mail Adresse im Footer mit W&A in Verbindung treten.

Eine Suche auf der Seite ist nicht vorhanden.

Fazit

W&A setzt bei der Webpräsenz eher auf Unterhaltung als auf eine sachliche Leistungskommunikation. Durch Elemente wie eine Bilderschau, Tipps und Tricks oder Zitate wird ein spielerischer Zugang zu „Innovation“ geboten. Leider bleibt für den Innovationsinteressierten -der möglichst ohne Umschweife ein Bild des Unternehmens bekommen möchte nur das durchstöbern der ungewohnt platzierten Navigation oder Durchsehen der Artikel, die im Layout eher wie Werbeanzeigen wirken.

Ist er jedoch einmal im passenden Untermenü gelandet, findet er überlegte Texte und einen strukturierten Arbeitsprozess.

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Nächster Artikel: Evaluierung der Webseite von LEAD Innovation

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